Bela Lugosi ist Dracula – Der Vampir in Schwarzweiß

Bela Lugosi ist Dracula – Der Vampir in Schwarzweiß

In der Gruselstube rattert ein alter Projektor und wirft schwarzweiße Bilder auf eine fleckige Leinwand. Ein mysteriöser Mann ist zu sehen, dessen irrer Blick Unheil verspricht. Es ist der Schauspieler Bela Lugosi. Der Name seiner Rolle? Dracula.

Krachend poltert eine Kutsche durch Transsylvanien. In ihrem Inneren sitzt der englische Immobilienmakler Renfield. Es ist keine angenehme Reise für ihn, aber sie erscheint ihm außerordentlich profitabel. Für einen in der abgelegenen Region ansässigen Grafen, hat er eine Wohnstatt in England erworben. Nun soll er seinem Kunden die entsprechenden Verträge in dessen altes Schloss bringen. Der Graf namens Dracula erwartet ihn bereits. 

Zwar warnen Renfield die Bewohner eines nahen Dorfes vor dem geheimnisvollen Grafen, doch der Engländer tut dies als abergläubisches Geschwätz ab. Guten Glaubens betritt er Draculas Schloss und ist sofort vom exzentrischen aber dennoch herrischen Auftreten des Adligen beeindruckt. Dracula trägt einen altertümlichen Anzug, zudem einen langen Umhang mit hohem Kragen. Seine pechschwarzen Haare hat der Graf streng zurückgekämmt. Aus dem blassen Gesicht starren Renfield zwei einnehmende Augen an, die erahnen lassen, dass Dracula keine Widerworte duldet.

Dennoch zeigt sich der Graf Renfield gegenüber äußerst gastfreundlich und tischt ihm ein üppiges Mahl auf. Was der Engländer jedoch nicht bemerkt, ist das Schlafmittel, das Dracula ihm ins Essen gemischt hat. Von dem Gift benommen, schafft Renfield es nicht einmal mehr in das für ihn vorbereitete Bett und bricht auf dem steinernen Boden des Schlosses zusammen. Aus dem Zwielicht nähern sich drei blasse Frauen, die sich bereits in freudiger Erwartung über ihre spitzen Eckzähne lecken. Doch Dracula, ihr Herr und Meister, beansprucht Renfield für sich. Der Graf, der oberste der Vampire in Transsylvanien, wandelt den Engländer selbst in einen Blutsauger um. Er soll Dracula fortan dienen und nach London begleiten, wo ein altes Anwesen bereits auf den Grafen wartet.

Vom Bühnenstück zum Leinwanderfolg

So beginnt die Dracula-Verfilmung von 1931 aus den Universal Studios. Der Handlung liegt der bekannte Roman von Bram Stoker aus dem Jahr 1897 zugrunde. Seit 1927 wurde bereits ein darauf basierendes Bühnenstück am Broadway in New York aufgeführt. Mit dem Ungarn Bela Lugosi in der Hauptrolle wurde es sehr erfolgreich, wodurch Carl Laemmle Jr. auf den Stoff aufmerksam wurde. Der junge Mann war der Sohn von Universal-Chef Carl Laemmle und begann zu dieser Zeit, erste Aufgaben im Management des Studios zu übernehmen. Anders als sein Vater, zeigte er sich offen für gruselige Filme, beeindruckt vom Horror-Stummfilm Nosferatu. Dieser war eine inoffizielle Verfilmung von Bram Stokers Dracula gewesen und nach einem verlorenen Rechtsstreit zur damaligen Zeit nur schwer erhältlich. Laemmle Jr. sicherte sich deswegen, um seinem Projekt ein ähnliches Schicksal zu ersparen, ganz offiziell die Rechte an Dracula und begann mit der Produktion des Films.

Dracula mit Bela Lugosi - Auch heute noch ein Klassiker auf DVD
Den Klassiker gibt es auch heute noch auf DVD und BluRay / © Universal Pictures

Dracula - Der originale Kino-Trailer auf YouTube

Dessen Handlung setzt sich in London fort. Verborgen in einem hölzernen Sarg, der mit der Erde seines Heimatlandes gefüllt ist, reist Graf Dracula an Bord eines Schiffes nach England. Renfield begleitet ihn und versorgt seinen Meister mit dem Blut der bedauernswerten Matrosen, die nach und nach versterben. Als das Schiff schließlich London erreicht, finden Hafenarbeiter nur noch den irre lachenden Renfield vor. Der Graf, unentdeckt im Sarg ruhend, wird als ganz normales Gepäckstück an seine neue Adresse geschickt, während der arme Renfield in ein Sanatorium für Geisteskranke eingewiesen wird.

Das Sanatorium wird von Dr. Seward geleitet, der bei Renfield einen starken Blutdurst feststellt, den dieser durch die Tötung von Insekten und Ratten stillt. Die Diagnose des Arztes: Vampirismus. Als Dr. Seward eines Abends im Theater Zerstreuung sucht, begleiten ihn seine Tochter Mina, ihr Verlobter John Harker und Lucy Weston, eine Freundin der Familie. Zufällig begegnen sie dort auch dem neuen Nachbarn der Sewards, der unweit des Sanatoriums die alte Carfax Abbey bezogen hat. Mit seinem charmanten und höflichen Auftreten vermag er vor allem, die junge Lucy zu verzaubern. Die Geschichten aus seiner fernen Heimat faszinieren sie. Es sind Erzählungen über tiefe Wälder, hohe Berge und verfallene Schlösser. Der Mann, der sie vorträgt, ist niemand anderes als Graf Dracula.

Lucy verfällt zunehmend der Anziehungskraft des geheimnisvollen Grafen aus Transsylvanien. Gleichermaßen schwindet auch ihre Gesundheit. Die Ursache dafür ist Blutmangel, wie Dr. Seward feststellt. Doch selbst Bluttransfusionen können Lucy nicht mehr retten. Kaum ist sie beerdigt, fasst Dracula sein nächstes Ziel ins Auge: Mina, die junge Tochter des Arztes.

Der Mann unter dem Umhang

Dass Dracula in dem Film so unheimlich und einnehmend auftritt, ist vor allem den Schauspielkünsten von Bela Lugosi zu verdanken. Dabei ist der ungarische Schauspieler, der den Vampir bereits am Broadway verkörperte nur dritte Wahl. Carl Laemmle Jr. will eigentlich den beliebten Schauspieler Lon Chaney in der Hauptrolle sehen, der bereits das Phantom der Oper und den Glöckner von Notre Dame verkörpert hat. Doch Chaney stirbt einige Wochen vor Drehbeginn, sodass Laemmle sich nach einem anderen Darsteller umsehen muss. Seine Wahl fällt zunächst auf den Schauspieler Ian Keith, der jedoch ablehnt. Schließlich wendet sich Carl Laemmle Jr. doch noch an den Mann, der Dracula bereits in unzähligen Aufführungen gespielt hat: Bela Lugosi.

Bela Lugosi - Als Dracula verbreitet er Schrecken
Bela Lugosi – Als Dracula verbreitet er Schrecken / © Universal Pictures

Wie schon ihre Freundin Lucy vor ihr, fällt auch Mina Seward zunehmend unter den Bann des Grafen Dracula. Ihr Vater und ihr Verlobter John Harker zeigen sich zunehmend besorgt, da sie um das Leben der jungen Frau fürchten. Dr. van Helsing, ein Kollege von Dr. Seward, weiß Rat. Er hat das Phänomen des Vampirismus bereits untersucht und hilft den Sewards dabei, die Attacken Draculas abzuwehren. Eisenhut und Knoblauch sollen den Vampir fernhalten.

Dass es sich bei Dracula um einen unheimlichen Blutsauger handelt, stellt Dr. van Helsing eines Abends fest, als der Graf ganz unbekümmert seine Nachbarn besucht. Während er Mina Seward bezirzt, entdeckt van Helsing, dass Dracula kein Spiegelbild besitzt. Von da an ist er überzeugt, dass der Graf eine Kreatur der Nacht ist und setzt alles daran, um den Vampir zu stoppen.
Inzwischen häufen sich Berichte über eine Dame in Weiß, die in der Nacht kleine Kinder zu sich lockt, um sie zu beißen. Dabei handelt es sich offenbar um Lucy, inzwischen als Vampirin im Dienste Draculas. Um seiner Verlobten Mina ein ähnliches Schicksal zu ersparen, will John Harker sie fort vom Sanatorium und in die nahe Großstadt London bringen. Doch van Helsing rät ihm davon ab, da Dracula sie auch dort aufspüren würde. Immerhin könne sich der Vampir in eine Fledermaus oder in einen Wolf verwandeln und somit innerhalb kurzer Zeit auch lange Distanzen überwinden.

Was unterscheidet den Film von der Buchvorlage?

Der Film war eigentlich mit einem großen Budget geplant worden. Doch seit 1929 hält eine Wirtschaftskrise die USA in Atem, die noch mehrere Jahre andauern wird. Die Verfilmung orientiert sich deswegen an manchen Stellen nur lose am eigentlichen Roman von 1897. So wird die Rolle des Jonathan Harker drastisch verkleinert. Im Buch ist er der Immobilienmakler, der anfangs nach Transsylvanien reist und später gemeinsam mit Dr. van Helsing die Rettung seiner Verlobten Mina organisiert. Im Film ist er meistens nicht mehr als ein bloßer Stichwortgeber. Stattdessen bekommt Renfield einen größeren Anteil. Ihn begleiten die Zuschauer von seiner anfänglichen Reise bis zu seinem tragischen Ende – doch dazu später.

Dracula sucht Mina Seward heim
Dracula sucht Mina Seward heim / © Universal Pictures

Da der Roman sich aus fiktiven Tagebucheinträgen und Briefen zusammensetzt, erfahren die Leser von Dracula stets nur aus zweiter Hand. Im direkt erzählten Film ist der Graf aus Transsylvanien jedoch deutlich präsenter. Dies ist nicht zuletzt auch Bela Lugosi zu verdanken, der den Graf diabolisch und gefährlich, aber auch glaubwürdig darstellt. Dracula erscheint bei ihm wie ein gezähmtes Raubtier, das nicht von böser Gesinnung ist, sondern eher einem tödlichen Instinkt, einem nie vollends gestillten Hunger folgt.

Angesichts des zunehmenden Widerstandes durch van Helsing, wird Dracula immer wagemutiger. Der Graf will nicht akzeptieren, dass man ihm seine Beute – die arme Mina – verweigert. Eines Nachts hypnotisiert er eine ihrer Dienerinnen, damit sie Eisenhut und Knoblauch aus Minas Zimmer entfernt. Als sein Weg frei ist, schlägt der Vampir sofort zu und nimmt Mina mit zu sich in seine Gruft.

Inzwischen erfahren Seward, Harker und van Helsing, dass es der immer noch im Sanatorium behandelte Renfield war, der Dracula eingangs Zugang gewährt hat. Als der verrückte Patient flieht, eilt er instinktiv zum Unterschlupf seines Meisters in Carfax Abbey. Die Männer folgen ihm und stoßen so auf das Versteck des Vampirs. Wütend über das Versagen seines Dieners, tötet Dracula Renfield schließlich. Die aufgehende Sonne zwingt ihn jedoch dazu, sich sofort in seinen Sarg zurückzuziehen. Van Helsing nutzt die Gelegenheit, öffnet den Sarg des Vampirs und vernichtet ihn mit einem Pflock durchs Herz. Harker findet indes die entführte Mina und führt sie ans Sonnenlicht, wo der Bann des Grafen schließlich von ihr abfällt.

Bela Lugosi – Dracula bis in den Tod

Das abrupte Ende ist ebenfalls dem geringen Budget geschuldet. Für eine ausufernde Verfolgungsjagd, die Harker und van Helsing schließlich wieder bis nach Transsylvanien zurückführt, reichte das Geld schlicht nicht aus. Nichtsdestotrotz bleibt Dracula ein für damalige Verhältnisse eindrucksvoller Film, der Bilder beinhaltet, die auch heute noch erschrecken. Für Bela Lugosi wird es die Rolle seines Lebens, die ihn bis zu seinem Tod nicht loslässt. Da er die Figur so oft verkörpert, denkt er im hohen Alter manchmal, er sei inzwischen selbst zu Dracula geworden. Bestattet wird er in dem Kostüm, in dem er bereits auf der Leinwand die Zuschauer erschaudern ließ.

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Bildnachweise:
Beitragsbild und weitere Bilder ©Universal Pictures. Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Universal Pictures Germany GmbH.

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