Boris Karloff ist Frankensteins Monster

Boris Karloff ist Frankensteins Monster

In einem schattigen Winkel der Gruselstube kannst Du plötzlich die Umrisse eines großen, dumpf dreinschauenden Menschen erkennen. Sein kantiger Schädel wirkt fremd, kommt dir aber auch merkwürdig vertraut vor. Zu deiner Erleichterung erkennst Du, dass es nur ein Plakat ist. Es wirbt für einen Film namens Frankenstein, in dem Boris Karloff das Monster spielt.

Das Jahr 1931 beginnt für die Universal Studios in Hollywood ernüchternd. Hatte das Filmunternehmen von Carl Laemmle in den Jahren zuvor noch große Erfolge gefeiert, bricht nun der Umsatz ein und neue Ideen müssen her. Chef-Produzent Carl Laemmle Jr., der Sohn des Studiobosses, ist gefragt. Der 22-jährige junge Mann landet schließlich mit der Verfilmung von Dracula einen Überraschungserfolg. Sofort wird ihm klar, dass das Studio weitere Horror-Filme produzieren sollte.

Die Wahl fällt auf einen weiteren Klassiker der Horror-Literatur: Frankenstein. Der bekannte Name soll das Publikum ins Kino locken. Die Handlung wird jedoch neu arrangiert, sodass nur die Grundidee von Mary Shelleys Roman übrigbleibt. Der Wissenschaftler Frankenstein ist besessen von der Idee, mithilfe von Elektrizität totes Gewebe wieder zum Leben zu erwecken. Anders als im Buch heißt er Henry, nicht Viktor. In der deutschsprachigen Version lautet sein Vorname Herbert.

Gemeinsam mit seinem buckligen Gehilfen Fritz plündert Frankenstein die Friedhöfe der Umgebung. Er schändet die Gräber und nimmt sich jene Körperteile, die ihm geeignet erscheinen. Getrieben von der Hoffnung auf ewiges Leben flüstert er den Toten in ihren Särgen zu: „Ihr schlaft nur und wartet auf einen neuen Anfang.“  Zur Vollendung seines Experiments benötigt Frankenstein ein intaktes Gehirn. Fritz soll es aus dem Labor von Frankensteins Lehrer Dr. Waldmann stehlen. Doch Fritz lässt das Glas mitsamt dem Gehirn fallen. Stattdessen greift er zu einem anderen Gehirn, das in Waldmanns Regal steht. Dieses ist jedoch das Gehirn eines Verbrechers.

Frankenstein jubelt: "Es lebt!"
Frankenstein jubelt: „Es lebt!“ / © Universal Pictures

Die Kreatur, die Frankenstein schließlich durch Blitze erweckt, ist tumb und reagiert auf die ihm unverständliche Welt mit Gewalt. Sicher mag dies auch an Fritz liegen. Der Gehilfe von Frankenstein drangsaliert das schaurig anzusehende Wesen ständig mit Feuer, vor dem es sich zu fürchten scheint. Irgendwann übertreibt es Fritz und wird das erste Opfer von Frankensteins Monster. Nachdem es Fritz am Balken seines Verlieses aufgeknüpft hat, kann es zunächst von Frankenstein und Dr. Waldmann überrumpelt werden. Doch schließlich tötet es auch Frankenstein Lehrer, flieht und hinterlässt eine Spur von Leichen.

Als Frankensteins Monster gelingt Boris Karloff der Durchbruch

Der Mann unter der Maske ist Boris Karloff. Wenn es nach Laemmle Jr. gegangen wäre, hätte Dracula-Star Bela Lugosi die Rolle übernehmen sollen. Dieser hatte zwar zuerst zugesagt, war aber davon ausgegangen, dass er Frankenstein selbst spielen würde. Als er hört, dass er das Monster mimen soll, sagt Lugosi düpiert ab.

Wie sich später herausstellt, ist die Verpflichtung von Boris Karloff jedoch ein Gewinn für den gesamten Film. Ohnehin schon ein Hüne, wirkt er durch Schulterpolster und 10 cm hohe Sohlen noch beeindruckender. Um die dicken Sohlen zu kaschieren, werden die Schuhe extra breit gestaltet, wodurch sie schließlich jeweils 5 kg wiegen. Es ist jedoch nicht seine Statur, durch die Carl Laemmle Jr. und Regisseur James Whale auf Boris Karloff aufmerksam werden. Nein, es sind die traurigen Augen des Briten, die ihm die Rolle des tragischen Monsters einbringen. Das markante Make-Up, die hohe Stirn, Bolzen im Nacken und der kantige Kopf werden zu heute noch bekannten Merkmalen der Kreatur. 

Für den Film entstand der heute ikonische Look des Monsters
Für den Film entstand der heute ikonische Look des Monsters / © Universal Pictures

Im Buch lernt das Monster zu sprechen und seinen Wunsch nach einem normalen Leben auszudrücken. In der Verfilmung kann man in ihr ebenfalls dieses Verlangen erkennen, sieht sie aber immer wieder dabei scheitern. Ein kleines Mädchen, das Frankensteins Monster an einem See trifft, lädt es zum Spielen ein. Gemeinsam werfen sie Blüten aufs Wasser und sehen dabei zu, wie diese davontreiben. Das Monster, im völligen Unverständnis der Situation, packt plötzlich das Mädchen und wirft es in den See, wo es ertrinkt, anstatt zu treiben. Traurig, verwirrt und zornig flieht das Monster daraufhin wieder.

Frankenstein – ein umstrittener Film 

Diese drastische Szene wird damals von mehreren Kontrollbehörden beanstandet und muss aus dem Film geschnitten werden. Insgesamt ist Frankenstein umstritten. Genau wie das Buch, mehr als 100 Jahre zuvor, sorgt der Film für Kontroversen. Sein Inhalt ist mit Leichenraub und Re-Animation auch für das Jahre 1931 noch zu blasphemisch. Kein Wunder also, dass es besonders ein Satz ist, der aus der Kinofassung verschwinden muss. Als sich seine Kreatur erstmals bewegt, sagt Frankenstein „Jetzt weiß, wie es sich anfühlt, Gott zu sein!“

Dem Erfolg des Films schadet dieser Gegenwind nicht. Ganz im Gegenteil wird er neben Dracula zu einem der erfolgreichsten Universal-Filme des Jahres. Das Aussehen von Frankensteins Monster aus dieser Verfilmung wird weltweit bekannt und schnell exklusiv mit der Figur in Verbindung gebracht. In weiser Voraussicht lässt sich Universal die Rechte am Make-Up-Design sichern. Wollen andere Firmen einen Frankenstein-Film machen, muss das Monster also anders aussehen.

Frankenstein - Den Klassiker gibt es heute ungeschnitten auf DVD und BluRay
Frankenstein – Den Klassiker gibt es heute ungeschnitten auf DVD und BluRay / © Universal Pictures

Frankensteins Monster verbrennt am Ende des Films in einer Mühle, die von den wütenden Bewohnern des nahen Dorfes angezündet wird. Nicht Elektrizität ist es, die das Monster nach dem Abspann wiedererweckt, sondern der Erfolg des Filmes. Für Frankensteins Braut und Frankensteins Sohn kehrt Boris Karloff für Universal zweimal zurück in die Rolle des Monsters. Zahlreiche weitere Horror-Filme erscheinen in den nächsten Jahren bei Universal, von denen die meisten große Erfolge werden. Der Plan von Carl Laemmle Jr., auf Grusel zu setzen, zahlt sich aus.

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Bildnachweise
Beitragsbild und weitere Bilder ©Universal Pictures. Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Universal Pictures Germany GmbH.

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