Katharina Henot – Opfer der Hexenverfolgung von Köln

Katharina Henot – Opfer der Hexenverfolgung von Köln

Qualm dringt in die Gruselstube. Am Fenster flackert feuriges Licht und lässt die Schatten tanzen. Draußen, so siehst du jetzt, brennt ein Scheiterhaufen. Kurz, ganz kurz, erkennst du eine weibliche Gestalt in den Flammen. Dort wird eine Hexe verbrannt? Doch ist sie schuldig? Oder ist sie Opfer einer Intrige, wie damals Katharina Henot?

Die Schreie der Nonne lassen ihre Ordensschwestern erzittern. Alle sind sich sicher, dass sie von einem Dämon besessen sein muss. In ihrer kleinen Zelle des Klarissenkloster Sankt Clara, zuckt sie hin und her. Jede Hilfe lehnt sie ab und sendet Botschaften aus der Hölle, welche die Lebenden erschüttern. Auch die Namen von Ketzern und Hexen nennt sie. Einer davon lässt die anderen Nonnen aufhorchen: Katharina Henot, die Postmeisterin von Köln.

Im Jahr 1625 erbt Katharina Henot zusammen mit ihrem Bruder, dem Domherren Hartger, das Recht, die Postmeisterei in Köln zu betreiben. Ihr Vater, Jacob Henot, war im Jahr durch Kaiser Rudolf II. zum kaiserlichen Postmeister in Köln ernannt worden. Dieses lukrative Recht wollen seine Kinder nuach seinem Tod weiterhin ausüben.

Leonard II. von Taxis hat jedoch etwas dagegen. Der Reichsgraf ist Generalpostmeister des Reiches und will gerne alle kaiserlichen Postrechte für sich haben. Bereits zu Lebzeiten von Jacob Henot versuchte er, beim Kaiser in Wien dessen Amtsenthebung zu erreichen. Nach dem Tod des alten Henot, setzt er im Februar 1626 eigenmächtig seinen Vertrauten Johann von Coesfeld als Postmeister in Köln ein. Katharina und Hartger legen Einspruch beim Reichshofrat in Wien ein, woraufhin ein langer Rechtsstreit beginnt.

Als in Köln die Scheiterhaufen brannten

Währenddessen brennen in Köln und dem Umland der Stadt zahllose Scheiterhaufen. Bürgermeister Johann Bolandt, ein strenggläubiger Katholik, greift hart gegen alle durch, auf die der Verdacht der Ketzerei fällt. Ferdinand von Bayern, Erzbischof von Köln und Kurfürst des Reiches, lässt ihn gewähren. In Glaubensfragen ist das Reich seit der Reformation gespalten. Der Dreißigjährige Krieg tobt und der Erzbischof will keinen Zweifel daran lassen, dass die katholische Seite gewinnen wird. Abweichler in Köln will er nicht tolerieren, Hexen will er brennen sehen.

Diese Umstände werden Katharina Henot zum Verhängnis. Als die besessene Nonne sie beschuldigt, machen schnell Gerüchte über die angebliche Hexe die Runde. Raupen plagen das Klarissenkloster, mehrere Nonnen und andere Bewohner des Klosters werden krank. Schnell steht die Postmeisterin als Schuldige fest. Sie soll die kaisertreuen Katholiken verflucht haben.

Leonhard II. von Taxis
Leonhard II. von Taxis / Stickerei auf Teppich von Unbekannt, gemeinfrei

Die Anschuldigungen ziehen sich über das gesamte Jahr hin. Doch als Leonhard II. von Taxis im Januar 1627 persönlich in Köln eintrifft, eskaliert die Situation. Bürgermeister Bolandt greift die im Raum stehenden Vorwürfe der Hexerei auf und lässt Katharina Henot festsetzen. Will er sich bei dem hochrangigen kaiserlichen Beamten beliebt machen? Eine Freilassung auf Kaution lehnt er jedenfalls ab. Die vermeintliche Hexe bleibt in Haft. Auch Erzbischof Ferdinand von Bayern lässt die Postmeisterin fallen. Er verweigert ihr eine ordentliche Verhandlung und Rechtsbeistand. Nun sieht sie einem Hexenprozess entgegen, der außerhalb des damals geltenden Rechts steht.

Der Hexenprozess der Katharina Henot

Die nächsten Monate bringen Katharina Henot an den Rand des Todes. Durch mehrfache Folter wird sie verkrüppelt und erkrankt schwer. Doch dass sie eine Hexe sein soll, gesteht sie nicht ein. Ein Geständnis, das weiß sie, würde ihr Todesurteil garantieren. Solange sie schweigt, muss ihre Schuld schließlich bewiesen werden. Und wer selbst nach brutaler Folter nicht gesteht, gilt nach damaligem Recht als unschuldig.

Im Mai 1627 kommt es jedoch zu einem niederschmetternden Schuldspruch. Katharina Henot wird der Hexerei für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Die Haltung des Erzbischofs, der ihr einen ordentlichen Prozess verwehrte, ermöglicht dieses Urteil. Am 27. Mai wird die verurteilte Hexe aus dem Kerker geholt und dem Scharfrichter übergeben.

Auf dem Friedhof Melaten wird das Todesurteil vollstreckt. Ein Scheiterhaufen ist bereits aufgeschichtet und eine schaulustige Menge hat sich versammelt. Zwar sind Hexenprozesse in diesen Jahren beinahe schon an der Tagesordnung, doch solch prominente Opfer wie Katharina Henot sind nicht alltäglich. Ob sich Leonhard II. unter den Zuschauern befindet, ist nicht überliefert.

Bevor Katharina Henot verbrannt wird, packt sich der Scharfrichter die geschwächte Frau und erwürgt sie mit bloßen Händen. Erst als sie tot ist, wird sie auf den Scheiterhaufen gelegt und verbrannt. Wer eines solchen Todes stirbt und wer im Verdacht steht, mit unheiligen Mächten zu paktieren, soll nicht eines Nachts als Wiedergänger auferstehen.

Späte Gerechtigkeit?

Steckt hinter ihrem Prozess tatsächlich eine Intrige von Leonhard II.? War Johann Bolandt dabei sein Komplize? Sich mit dem Oberen des Reiches gut zu stellen, schadet dem Kölner Bürgermeister jedenfalls nicht. Im Jahr 1628 wird er vom Kaiser zum Herrn der Burg Kühlseggen ernannt und damit geadelt.

Noch ist Leonhard II. nicht an seinem Ziel. Hartger Henot lebt noch und will sein Recht an der Postmeisterei in Köln durchsetzen. Auch er wird schließlich wegen Hexerei angeklagt, doch zu einem Prozess kommt es nicht mehr. Denn Leonhard II. stirbt am 23. Mai 1628, ein knappes Jahr nach Katherina Henots Tod überraschend in Prag. Johann von den Brighden, der in Frankfurt ebenfalls sein Amt als Postmeister an Leonhard II. verlor, sagte über den Verstorbenen: „Gott der Allmächtige ist ins Mittel gekommen und hat gegeben, dass der Herr Graf, der größte undankbare Mensch, in kurzer Zeit gestorben ist.“

Katharina Henot erfährt späte Gerechtigkeit. Im November 2011 stellen ihre Nachfahren bei der Stadt Köln einen Antrag auf Rehabilitation. Insgesamt starben in den Jahren 1626 bis 1630 weitere 37 Frauen, weil sie der Hexerei beschuldigt worden waren. Am 28. Juni 2012 rehabilitiert der Rat der Stadt Köln sie alle – auch Katharina Henot.

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Bildnachweise:
Beitragsbild: „Holzfeuer„, Fotografie von ulleo, Pixabay / „Leonhard II. von Taxis“, Stickerei auf Teppich von Unbekannt, gemeinfrei

 

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