Freitag der 13. – Ein Unglückstag und sein Ursprung

Freitag der 13. – Ein Unglückstag und sein Ursprung

In einer Ecke fällt ein Spiegel von der Wand und zerspringt. Du stößt gegen einen Salzsteuer und verschüttest dessen Inhalt. Dann rennt auch noch eine schwarze Katze von rechts an dir vorbei. Auch in der Gruselstube scheint Freitag der 13. wie verhext. Doch vorher kommt überhaupt der Glaube an diesen Unglückstag?

Es ist der 13. November des Jahres 1868, als der italienische Komponist Gioachino Rossini stirbt. Ein Freitag, wie sein Biograph Henry Sutherland Edwards ein Jahr später anmerkt. „Rossini war bis zu seinem Tod umgeben von ihn bewundernden Freunden. Und wenn es stimmt, dass er, wie so viele Italiener, Freitag für einen Unglückstag und 13 für eine Unglücksnummer hielt, dann ist es bemerkenswert, dass er an einem Freitag dem 13. aus dem Leben schied.“

Weiter reichen die Belege für Freitag den 13. als besonderen Unglückstag nicht zurück. Dennoch steht das Datum im Volksglauben für einen Tag, an dem sich Unfälle, Missgeschicke und tragische Ereignisse häufen sollen. Bei manchen Personen führt dies zu lähmender Angst vor diesem Tag. Einige wenige sind dadurch sogar derart verängstigt, dass sie das Bett nicht verlassen wollen. Woher kommt dieser Aberglaube? Und wie weit reicht er wirklich zurück?

Kreuzigung Jesus Christus
Wurde Jesus an einem Freitag dem 13. gekreuzigt? / Gemälde von Albrecht Altdorfer, gemeinfrei

Henry Sutherland Edwards bezeichnete den Freitag nicht ohne Grund als Unglückstag. Laut dem christlichen Neuen Testament wurde Jesus Christus an einem Freitag gekreuzigt. Dies ist der Hintergrund dafür, dass auch heute noch viele Christen freitags fasten und am Karfreitag vor Ostern die Kreuzigung des Heilands betrauert wird. Deswegen würde es nicht verwundern, wenn ein katholisch geprägter Italiener wie Rossini von Freitagen nicht viel hielt.

Die Zahl 13: Das Dutzend des Teufels

Die Zahl 13 hat bereits durch ihre mathematischen Eigenschaften eine besondere Stellung. Sie passt nicht in das geschlossene Zwölfersystem und ist nur durch sich selbst und die Zahl 1 teilbar. Dass diese Zahl aber nicht nur Mathematiker zum fluchen brachte, sondern auch die einfachen Leute, zeigt sich im Volksmund. Dort war die 13 früher auch als „Dutzend des Teufels“ bekannt. Der genaue Ursprung dieser Bezeichnung liegt aber im Dunkeln.

Möglicherweise gibt es auch hier einen Zusammenhang zur christlichen Überlieferung von Jesus Kreuzigung. Jesus hatte zwölf Jünger, die allesamt bei seinem letzten Abendmahl anwesend waren. Insgesamt waren es also 13 Gäste. Einer davon war Judas Iskariot, der Jesus laut dem Neuen Testament verriet seine Festnahme durch die Römer ermöglichte. Auch in anderen Legenden und Mythen taucht der 13. Gast auf, der Unglück über eine Feier bringen soll.

Judas verlässt das letzte Abendmahl
Judas – der 13. Gast / Gemälde von Carl Bloch, gemeinfrei

Der Freitag ist also ein Unglückstag und die 13 eine Unglückszahl. Doch wie kamen sie zusammen? Laut einer gängigen Überlieferung war der erste unheilvolle Freitag der 13. jener Tag, an dem der Orden der Tempelritter binnen eines Tages zerschlagen worden sein soll. Dieser Orden war während der Kreuzzüge sehr mächtig geworden. Sein Heer war größer als jenes des französischen Königs und verteilte sich über ganz Europa und den Nahen Osten. Philipp dem IV., der zudem Schulden bei den Templern hatte, war der Orden deswegen ein Dorn im Auge geworden. Er sendete versiegelte Botschaften an seine Vasallen in ganz Frankreich. Erst am 13. Oktober 1307 durften sie geöffnet werden – ein Freitag der 13.

Das Ende der Tempelritter – der Ursprung des Aberglaubens?

Die Aktion gelang und in ganz Frankreich wurden an jenem Tag überrumpelte Tempelritter eingesperrt. Der Orden erholte sich von diesem Schlag nicht mehr und seine Macht war gebrochen. Jacques de Molay, der letzte Großmeister des Ordens wurde der Legende nach zudem an einem Freitag dem 13. auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Diese Geschichte bietet sich also an, um als Ursprung für die abergläubische Angst vor diesem Unglückstag zu dienen. Doch ist sie es tatsächlich oder wurde dieser Zusammenhang erst in jüngerer Zeit hergestellt?

Erst in einigen neueren Romanen, die sich mit den Tempelrittern und ihren Hinterlassenschaften beschäftigen, wurde dieser Zusammenhang meistens beiläufig als gängiger Fakt dargestellt. So zum Beispiel in einem Roman über Philipp IV. aus der Feder Maurice Druons, der 1955 erschien. Aber auch in Computerspielen wie „Baphomets Fluch“ oder Romanen wie Dan Browns „Sakrileg“ wird dieses Ereignis als Ursprung des Aberglaubens um Freitag den 13. präsentiert.

Ritterhelm
Der Untergang der Tempelritter begann an einem Freitag den 13. / Fotografie von Nadine Doerle, Pixabay

Zwischen 1307 und 1907 sind die schriftlichen Belege für Freitag den 13. als Unglückstag jedoch sehr spärlich. Selbst dem eingangs zitierten Henry Sutherland Edwards ist der Zusammenfall von Unglückstag und Unglückzahl noch eine Erwähnung wert. Geläufig scheint ihm Freitag der 13. als besonderer Tag nicht gewesen zu sein.

Ein Unglückstag an der Börse?

Dem Autoren und Börsenmakler Thomas William Lawson ist der Aberglaube rund um den vermeintlichen Unglückstag jedoch ein Begriff. In seinem 1907 erschienenen Roman „Freitag der 13.“ nutzt ein Börsenspekulant das an der Wall Street verbreitete Unbehagen gegenüber diesem Unglückstag, um einen Börsenkrach herbeizuführen. Ironischerweise verließ Lawson einige Jahre später selbst sein Glück an der Börse und er starb 1925 als armer Mann.

Tatsächlich scheinen die Ursprünge des Aberglaubens in den USA des späten 19. Jahrhunderts zu liegen – in New York, um ganz genau zu sein. Dort griff der Aberglauben rund um die Zahl 13 derart um sich, dass ein Mann namens William Fowler im Jahr 1881 den „Thirteen Club“ gründete. Die Mitglieder wollten demonstrieren, dass die Zahl 13 nicht besonders unglückbehaftet ist. Sie trafen sich am 13. eines Monats in Raum 13 der Knickerbocker Cottage und verspeisten ein 13-Gänge-Menü.

Unglückstag an der Wall Street
Unglückstag an der Wall Street / Illustration von Shell und Hogan, gemeinfrei

Dass die Furcht vor der Zahl 13 beinahe schon lächerliche Ausmaße annahm, wird durch die Gründung eines solchen Clubs verdeutlicht. Fowler und die übrigen Mitglieder amüsierten sich über ihre abergläubischen Zeitgenossen. Es scheinen vor allem Geschäftsleute gewesen zu sein, welche die Zahl 13 furchtsam mieden. Außerdem lässt sich gerade unter den Börsianern der damaligen Zeit die Sorge vor einem „Black Friday“ feststellen, die wohl auf einen Börsenkrach in London an Freitag, dem 6. Dezember 1745 zurückgeht. Hintergrund war der Erfolg der Rebellen im Zweiten Jakobiteraufstand, der auch den Gruselautoren Horace Walpole beunruhigte. Auch in den USA gab es im 19. Jahrhundert solche „Schwarze Freitage“ an der Börse, wodurch sich der Begriff im ganzen englischen Sprachraum ausbreitete.

Von der Wall Street bis zum Crystal Lake

Irgendwann um 1900 scheinen sich die abergläubische Furcht vor der Zahl 13 und die Sorge um einen möglichen neuen „Black Friday“ miteinander verbunden zu haben. Spätestens 1907 wurde durch Lawsons durchaus erfolgreichen Roman auch außerhalb des Finanzsektors Freitag der 13. als unheilvoller Unglückstag bekannt.

Im deutschen Sprachraum nährte der Film „Freitag der 13.“ von Richard Oswald diesen Aberglauben. In diesem Stummfilmkrimi aus dem Jahr 1916 geht es um die Familie Eulenstein, deren Mitglieder stets an einem Freitag den 13. sterben. Auch die gleichnamige Komödie von Erich Engels aus dem Jahr 1944 widmet sich dem Unglückstag, nähert sich ihm aber auf humoristische Weise.

Killer
Treiben Mörder an Freitag dem 13. ihr Unwesen? / Fotografie von Republica, Pixabay 

Um einiges bekannter ist aber natürlich die Filmreihe rund um den Killer Jason Vorhees. Spätestens seit den erfolgreichen Slasherfilmen der 1980er, in denen scharenweise Teenager am Crystal Lake dem beinahe unaufhaltbaren Jason zum Opfer fallen, ist „Freitag der 13.“ weltweit als Unglückstag bekannt.

Ob nun ein Mörder sein Unwesen treibt oder die Börse zusammenkracht: Freitag der 13. steht für Tage, an denen außergewöhnlich schlimme Dinge passieren können. Dass es jedoch ein Tag wie jeder andere ist, können einem auch die Bestatter verraten. Denn dieser Berufszweig weiß, dass an jedem Tag Menschen sterben. Wenn jemand an einem Freitag dem 13. stirbt, wie der eingangs erwähnte Komponist Rossini, ist dies zwar tragisch, aber eben auch gewöhnlich.

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Bildnachweise:
Beitragsbild: „Freitag der 13.“, Fotografie von Marc Thorbrügge / „Die Kreuzigung“, Gemälde von Albrecht Altdorfer, gemeinfrei / „Das letzte Abendmahl“, Gemälde von Carl Bloch, gemeinfrei / „Ritterhelm„, Fotografie von Nadine Doerle, Pixabay / „Krach an der Wall Street 1844“, Illustration von Shell und Hogan, gemeinfrei / „Mörder„, Fotografie von Republica, Pixabay 

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