Stephen King – Die Geburt von „Carrie“

Stephen King – Die Geburt von „Carrie“

Ein Knarzen geht durch die Gruselstube. Es klingt so, als würden sich die Balken über deinem Kopf verbiegen. Ja, das Dach scheint fast zusammenzubrechen, so als würde eine unsichtbare Macht es niederdrücken. Da erblickst du in einer dunklen Ecke ein blondes Mädchen. Es kichert irre. Unweigerlich denkst du an Carrie von Stephen King

Raschelnd landen drei Blätter im Papierkorb. Der junge Autor, der sie hineingeworfen hat, schnaubt frustriert. Seine Frau jedoch, fischt die Seiten aus dem Abfall und fängt an zu lesen. Es geht um ein sechszehnjähriges Mädchen, das gerade seine erste Periode bekommt. Unglücklicherweise geschieht dies im Duschraum nach dem Sportunterricht. Ein gefundenes Fressen für die hämischen Mitschülerinnen, die das Mädchen ohnehin nicht leiden können. Sie beleidigen sie und bewerfen sie mit Tampons. Was sie damit auslösen, ahnen sie noch nicht. Der Name des Mädchens? Carrie. Der Name des Autors? Stephen King.

1973 arbeitet Stephen King als Aushilfslehrer an einer Schule in Maine. Er ist 26 Jahre alt und bessert sein Einkommen damit auf, dass er hin und wieder eine Kurzgeschichte verfasst. Eines Tages, so erinnert sich King Jahre später in einem Interview, konfrontiert eine Frau ihn damit, dass es in seinen Geschichten nur über Männer gehen würde. „Über Frauen kannst du nicht schreiben“, piesackt sie King. Der erwidert allerdings, dass er keine Angst vor Frauen hat und über sie schreiben könnte, wenn er denn nur wollte.

Und nach dieser Begegnung will er. „So kam ich zu der Idee mit dem Zwischenfall im Mädchenduschraum,“ führt er im gleichen Interview mit dem Twilight Magazin aus dem Jahr 1981 aus. „Und das Mädchen wäre telekinetisch begabt. Die Periode würde die richtigen Hormone freisetzen und sie würde damit Vernichtung auf die anderen Mädchen herabregnen lassen. Ich schreib diese Szene, aber ich hasste sie und warf sie davon.“

Carrie landet zunächst im Müll

Seine Frau, Tabitha King, ist hingegen überzeugt, dass darin eine gute Geschichte steckt. Vielleicht funktioniert es eher als Roman und nicht als Kurzgeschichte? Was, wenn er der Figur der Carrie mehr Tiefe geben würde? Wenn der Konflikt mit den anderen Mädchen, ja, mit einer gesamten Schule, die Carrie verachtet, sich langsam entfalten und schließlich eskalieren würde?

Stephen Kind nimmt sich dieses Vorschlags an und baut die Geschichte aus. Zwar hat er zuvor bereits Romane geschrieben, aber noch keinen davon veröffentlicht. Für Carrie wählt er einen anderen Ansatz. Immer wieder wird die Erzählung durch fiktive Zeitungsartikel und wissenschaftliche Aufsätze unterbrochen, die sich im Nachhinein mit den unheilvollen Geschehnissen beschäftigen, die durch Carries telekinetische Fähigkeiten und das Mobbing ihrer Mitschüler in Gang geraten.  

Carrie bekommt eine religiös fanatische Mutter, die in ihrer telekinetisch begabten Tochter das Wirken des Satans zu sehen vermeint. Stephen King erschafft auch die tragische Figur der Sue Snell, die sich für ihr früheres Verhalten gegenüber Carrie schämt, mit einer vermeintlich guten Tat aber erst jene Ereignisse in Gang setzt, die schließlich in einer schrecklichen Katastrophe münden.

Carrie wird zum ersten großen finanziellen Erfolg von Stephen King

Das Buch hingegen, wird vom Verlag Doubleday positiv angenommen, wie Stephen King in seinem 2000 erschienen Buch On Writing berichtet. Im April 1973 erhält Stephen King ein Telegramm vom Verlagsredakteur William Thompson, der ihn über einen ersten Vorschuss informiert. Telefonisch war King nicht zu erreichen, da er aufgrund finanzieller Sorgen seinen Telefonanschluss gekündigt hatte.

Diese Sorgen sind bald kein Thema mehr. Von den 2.500 Dollar Vorschuss kauft der Autor sich einen neuen Wagen. Im Mai, am Muttertag, meldet sich schließlich der Verlag New American Library und sichert sich die Taschenbuchrechte für 400.000 Dollar. Eine Hälfte bekommt Doubleday, die andere King. Der junge Autor kündigt seinen Lehrerjob und konzentriert sich nur noch auf das Schreiben. Carrie ist nur der erste von vielen Erfolgen – und wäre beinahe im Müll gelandet. Zum Glück rettete Tabitha King die Idee vor dem Abfall. Aus Dank widmete Stephen King ihr das Buch.

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Bildnachweis:
Beitragsbild: Schreibmaschine, Fotografie von canva.com

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