Arthur Conan Doyle – Der Hund von Baskerville

Arthur Conan Doyle – Der Hund von Baskerville

Ein dumpfes Bellen hallt durch die Gruselstube. Draußen, vor dem Fenster, das einen Spalt breit offensteht, siehst du zwei rote Augen in der Dunkelheit. Erschrocken taumelst du zurück. Er ist dir auf der Spur, der Hund von Baskerville.

Es ist das Jahr 1901 und Arthur Conan Doyle sitzt am Schreibtisch seines Hotelzimmers im Duchy Hotel in Princetown. Das kleine Dorf liegt mitten in Dartmoor, einer Hügellandschaft in der englischen Grafschaft Devon. Die einzige Sehenswürdigkeit an dieser Stelle ist das häufig nebelverhangene Moor selbst. Der Schriftsteller Doyle, der durch seine Sherlock-Holmes-Geschichten berühmt geworden ist, sucht hier nach Inspiration.

Denn Sherlock Holmes ist seit einigen Jahren tot. Doyle hat ihn in einer Geschichte sterben lassen und bisher nicht zurückgebracht. Stattdessen schreibt ein unheimliche Geschichten wie Der Parasit oder humoristische Soldatengeschichten über den französischen Husarenreiter Etienne Gerard. Zu dem Ausflug nach Dartmoor hat ihn ein guter Freund inspiriert, der ihn auf seiner begleitet: Bertram Fletcher Robinson.

Seit einer gemeinsamen Schiffsreise vom südafrikanischen Kapstadt zurück nach England, sind Doyle und Robinson befreundet. Immer wieder unternehmen sie gemeinsame Aktivitäten. Eines Tages, bei einer Golfpartie, fasst Robinson den Mut, den berühmten Schriftsteller zu fragen, ob eine literarische Zusammenarbeit möglich wäre. Robinson schwebt eine Gruselgeschichte vor. Er selbst ist in Devon aufgewachsen und kennt eine schaurige lokale Sage.

Eine Sage aus alter Zeit inspiriert Doyle und Robinson

Richard Cabell war ein Adliger, der Mitte des 17. Jahrhunderts am südwestlichen Rand von Dartmoor aufwuchs. Er liebte die Jagd und strebte nach immer größerer Macht. Eines Nachts, über den blutigen Leibern seiner Beutetiere stehend und betrunken von französischem Wein, soll er seine Seele dem Teufel verkauft haben. Unsterblich wollte er sein, doch im Jahr 1677 starb er schließlich doch. Nach seinem Tod erschien an seinem Grab jedoch ein Rudel schwarzer Hunde, das direkt aus dem Moor gekrochen kam. Sie sollen von jenem Tag an noch oft im Moor gesehen und gehört worden sein. Und im größten von ihnen, so will es die Legende, lebe Richard Cabell fort, durch seinen Pakt mit dem Teufel unsterblich geworden.

Sherlock Holmes und Dr. Watson beobachten den Hund von Baskerville
Sherlock Holmes und Dr. Watson beobachten den Hund von Baskerville / Illustration von Sidney Paget, gemeinfrei

Arthur Conan Doyle ist an dieser Geschichte durchaus interessiert. Er horcht bei seinem Verlag nach, ob dort auch Interesse an einem neuen Roman bestehe. Auch dort sagt man zu und zahlt dem Schriftsteller einen Vorschuss, von dem Doyle die Reise nach Dartmoor zahlt. Bertram Fletcher Robinson begleitet ihn und dient als Führer durch die Moorlandschaft. Auf ihren gemeinsamen Spaziergängen durch das Moor und über die aus dem Nebel stechenden Hügel, erzählt der Ortskundige dem Schriftsteller Doyle weitere lokale Sagen. Immer wieder dabei: Schwarze Hunde.

Die Idee zur adligen Familie Baskerville entsteht, deren alte und blutige Geschichte den Hintergrund für eine schaurige Kriminalgeschichte bieten soll. Bald steht die Handlung fest, doch an einem Detail hakt es noch. Arthur Conan Doyle entscheidet sich für einen Charakter, der ähnlich analytisch an den Fall heran geht, wie seine berühmte Figur Sherlock Holmes. Doch warum eine neue erfinden, wenn es bereits eine solche gibt?

Der Hund von Baskerville wird zum Sherlock-Holmes-Roman

Spontan entscheidet sich Doyle, den berühmten Detektiv auf einen neuen Fall anzusetzen. Die Geschichte, so legt er fest, spielt dann eben vor dem Tod von Sherlock Holmes. Auch der Verlag ist von dieser Idee angetan und würde das Honorar glatt verdoppeln. Es bleibt jedoch das Problem mit dem Co-Autor. Der Name von Bertram Fletcher Robinson auf einem Sherlock-Holmes-Roman? Für Verlag und Autor nur schwer vorstellbar.

Also wird Robinson kurzerhand abgesägt. Immerhin, die Buchausgabe von Der Hund von Baskerville enthält eine Widmung an ihn. Ob er finanziell am Erfolg des Buchs beteiligt wurde, ist ebenso wenig nachzuvollziehen, wie sein tatsächlicher Anteil an der Ausarbeitung der Handlung. Er selbst veröffentlicht noch zahlreiche eigene Kurzgeschichten rund um den Detektiv Addington Peace.

Bertram Fletcher Robinson stirbt am 21. Januar 1907 nach einem kurzen aber schweren Fieber. Bald kursieren Gerüchte, sein Tod hänge mit seiner Erforschung eines verfluchten ägyptischen Artefakts zusammen. Er wird in Devon beigesetzt, wo auch seine Eltern bestattet sind. Arthur Conan Doyle übersendet sein Beileid. In einem späteren Interview stellt er noch einmal klar, dass Robinson zwar nur einen kreativen Impuls gegeben habe, dieser aber von enormer Bedeutung gewesen sei. Ohne Bertram Fletcher Robinson, so stellt Doyle dar, wäre Der Hund von Baskerville nie erschienen.

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Bildnachweis:
Beitragsbild: „Der Hund von Baskerville“,  Buchumschlag von Sidney Paget, gemeinfrei / „Sherlock Holmes und Dr. Watson beobachten den Hund von Baskerville“ / Illustration von Sidney Paget, gemeinfrei

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