H.P. Lovecraft – Jenseits der Mauer des Schlafes

H.P. Lovecraft – Jenseits der Mauer des Schlafes

Durch die verschmierten Fenster der Gruselstube beobachtest Du den Nachthimmel. Hoch oben, zwischen den fernen Sternen, siehst Du unerklärliche Lichter funkeln und spürst, wie etwas nach deinem Geist greift. Zitternd schließen sich deine Hände um ein Manuskript in deinen Händen: Jenseits der Mauer des Schlafes von H.P. Lovecraft.

Der junge Assistenzarzt, angestellt an einer psychiatrischen Klinik, ist erstaunt, als er das Verhalten eines seiner Patienten beobachtet, der im Jahr 1900 eingeliefert wird. Joe Slater scheint immer wieder von einer unsichtbaren Macht besessen zu werden. In diesem rasenden Zustand beschreibt er Gebäude aus Licht und Ozeane voller Sterne.

Ansonsten verhält sich Slater tumb und dümmlich. Der Mann stammt aus einer Familie, die seit Jahrhunderten in den Catskill Mountains im Staat New York lebt. Sein gewöhnlicher Schwachsinn, so urteilt der Assistenzarzt, das Ergebnis von Inzest und Isolation. Der Wahnsinn jedoch, den Slater an manchen Tagen zeigt, interessiert den jungen Mediziner sehr.

Dies ist die Ausgangslage von Jenseits der Mauer des Schlafes, im Original Beyond the Wall of Sleep von H.P. Lovecraft. Die Geschichte erscheint erstmals im Jahr 1919 in einer Ausgabe von Pine Cones, einem Magazin für Amateur-Schriftsteller. Lovecraft steht damals, im Alter von 29 Jahren, noch am Beginn seiner schriftstellerischen Karriere. Im gleichen Jahr erscheint mit Dagon die erste Geschichte, die nachträglich dem Cthulhu-Mythos zugeordnet werden kann.

Auch in Jenseits der Mauer des Schlafes verwendet Lovecraft Motive, die in seinen späteren Werken häufiger vorkommen und dort detaillierter ausgearbeitet werden. So erkennt der junge Assistenzarzt, das Joe Slaters Leiden seinen Ursprung im Wirken einer kosmischen Wesenheit hat, der einfache Mann ihr machtlos ausgeliefert scheint. Slater, zudem arm Geist und körperlich schwach, ist einer fremdartigen Macht ausgesetzt, die ihm gleichgültig gegenübersteht. Ein glückloses Schicksal, das viele Figuren in Lovecrafts Geschichten ereilen wird.

Jenseits der Mauer des Schlafes – Der Beginn kosmischen Schreckens?

Von dieser Verbindung erfährt der Arzt durch eine experimentelle Maschine. Mit ihr kann er die Träume seines Patienten besuchen. Nach einigen erfolglosen Versuchen gelingt es ihm, das zu sehen, was Joe Slater in seinen wahnhaften Träumen sieht. Dort entdeckt der Arzt jene kosmische Wesenheit, deren Präsenz Slater um den Verstand bringt. Der Mann aus den Catskill Mountains, so behauptet eine kalte Stimme, habe sich Zeit seines Lebens den Körper mit einem Geist aus den Tiefen des Alls geteilt.

H.P. Lovecraft - Der Autor von "Dagon"
H.P. Lovecraft – Die Astronomie war sein Hobby / Fotografie von Unbekannt, gemeinfrei

Astronomie war eines von Lovecrafts Hobbies, das er in mehrere seiner Geschichten einarbeitete. So verwundert es nicht, dass er auch in Jenseits der Mauer des Schlafes einen realen astronomischen Hintergrund einbindet. Die in Joe Slater gefangene Wesenheit stellt sich als Gegenspieler des Sterns Algol vor. Ihr Aufenthalt in dem menschlichen Körper sei dazu gedacht gewesen, sie zu foltern und zu bestrafen. Doch nun, so offenbart sie dem jungen Arzt, sei sie endlich frei. Slater jedoch, ist tot.

Die Geschichte endet mit einem Zitat aus einem astronomischen Werk von Garrett P. Serviss. Am 22. Februar 1901 taucht in der Nähe von Algol ein neuer Stern auf, der hell strahlt, bald aber wieder verblasst. Lovecraft schafft somit eine Verbindung zur realen Welt, lässt offen, ob jener neue Stern das Sichtbarwerden einer befreiten kosmischen Wesenheit ist. Da Algol, der Dämonenstern, weiterhin strahlt, die Nova aber bereits verblasst ist, scheint sie gescheitert zu sein. Es bleibt jedoch die Frage, welche Kämpfe in den Tiefen des Alls, zwischen den Sternen noch ausgetragen werden und, selbst wenn sie am Himmel zu sehen sind, von uns Menschen unbemerkt bleiben.

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Bildnachweise:
Beitragsbild:
Planet„, Bild von ColiN00B, Pixabay / H.P. Lovecraft, Fotografie von unbekannt, gemeinfrei 

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