28. Juni 2022

5 klassische Gruselautoren

Der Dandy unter den Gruselautoren: William Beckford

William Beckford wird im Jahr 1760 in London geboren. Sein Vater, der ebenfalls William heißt, ist ein einflussreicher lokaler Politiker und wird in den Jahren 1762 und 1767 zum Bürgermeister von London gewählt. Die Beckfords sind sehr wohlhabend und besitzen Plantagen auf Jamaika, wo ihre Sklaven Zuckerrohr anbauen. Der Wohlstand der Beckfords wächst und als William Senior im Jahr 1770 stirbt, hinterlässt er seinem zehnjährigen Sohn 1 Million Pfund. Nach heutigen Maßsstäben entspricht dies ungefähr 100 Millionen Pfund.

William Beckford (1760-1844) / Zeichnung von Unbekannt, gemeinfrei

Beckford kann somit frei von finanziellen Sorgen seine Jugend genießen und seinen Interessen nachgehen. Zwar wird er 1784 Mitglied des Parlaments und bleibt dies auch bis 1820, ist aber kein ambitionierter Politiker. Viel eher interessiert er sich für teure Kunstwerke, die er impulsiv und ohne auf den Preis zu achten erwirbt.

Wie wurde dieser Dandy nun zum Gruselautoren? Vor allem die Kunstwerke des Orients faszinieren Beckford. Inspiriert von orientalischen Sagen und motiviert von Schauergeschichten wie The Castle of Otranto, wird er schließlich selbst schriftstellerisch tätig. In angeblich nur drei Tagen und zwei Nächten verfasst er sein Hauptwerk Vathek, das von einem gleichnamigen Kalifen handelt.

Vathek – der skrupellose Kalif

Wissbegierig und launisch herrscht Vathek über ein riesiges Reich. Angeregt durch einen Händler aus Indien, der ihm Säbel mit eingravierten leuchtenden Buchstaben verkauft, wächst Vatheks Hunger nach noch größeren Schätzen sowie mehr Macht und Wissen. Alle Warnungen ignorierend, wendet er sich okkulten Ritualen zu, die ihn zunehmend ins Verderben stürzen.

Beckford schreibt den Roman ursprünglich in Französisch und veröffentlicht ihn zunächst nicht. Erst 1786 überträgt einer von Beckfords Mitarbeitern An Arabian Tale ins Englische. Diese Version erscheint ebenfalls anonym und unter der Angabe, dass es sich um die Übersetzung eines arabischen Textes handle. Erst als ein Jahr später das französische Original mit dem Titel Vathek erscheint, bekennt Beckford sich zur Autorenschaft.

Die düstere Geschichte, in der Vatheks Situation zunehmend beklemmend und ausweglos wird, inspiriert zahlreiche weitere Autoren, unter anderem Edgar Allen Poe und H.P. Lovecraft. Seine Karriere als Schriftsteller verfolgt Beckford jedoch, wie so vieles in seinem Leben, nur halbherzig. Er verfasst nur noch wenige Schriften, von denen keine so erfolgreich wird wie Vathek.

Auf Seite 4 geht es weiter mit Ann Radcliffe…

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