Die Katzen von Ulthar

Die Katzen von Ulthar

Eine Katze wandert einsam durch die Gruselstube. Plötzlich faucht sie und verfolgt dich mit ihren funkelnden Augen. Da hörst du ein Scharren an der Tür hinter dir. Als du sie öffnest, siehst du, dass sich draußen eine große Menge Katzen versammelt hat, die dich neugierig anstarrt. Schweiß tritt auf deine Stirn und du fasst dir schützend an die Kehle, als dir eine alte Geschichte in den Sinn kommt. Sind dies Die Katzen von Ulthar?

„Die Katze ist rätselhaft und vertraut mit seltsamen Dingen, welche der Mensch nicht sehen kann“, lässt uns der Autor von Die Katzen von Ulthar wissen. „Sie ist die Seele des alten Ägyptens und trägt in sich Geschichten aus den vergessenen Städten Meroe und Ophir. […] Die Sphinx ist mit ihr verwandt und spricht dieselbe Sprache, doch die Katze ist älter und erinnert sich an das, was die Sphinx vergessen hat.“ Bei dem Autor, der die Katze auf so wundersame Weise preist, handelt es sich um H. P. Lovecraft.

Als Lovecraft Die Katzen von Ulthar schreibt, steht er noch am Anfang seiner literarischen Karriere. Ein prägender Einfluss sind für ihn die Geschichten von Lord Dunsany. Dieser gehört zu den ersten Autoren, die vollständige fiktive Welten erschaffen, belebt durch eigene Götter und Völker. Damit ist er ein Wegbereiter der modernen Fantasy und wird auch vom jungen H. P. Lovecraft geschätzt. In einigen seiner frühen Geschichten wie Dagon oder Jenseits der Mauer des Schlafes, verlässt die Handlung trotz übernatürlicher Elemente nie die reale Welt. Anders verhält es sich mit Das Grauen, das über Sarnath kam oder eben Die Katzen von Ulthar. Für diese Erzählungen denkt sich Lovecraft fiktive Orte aus, wie das namengebende Städtchen Ulthar, jenseits des Flusses Skai. Seine Geschichte erzählt er mit einer solchen Selbstverständlichkeit, als wären die Orte völlig real und nach langen Reisen zu finden. 

H.P. Lovecraft - Der Autor von "Dagon"
H.P. Lovecraft – Der Autor von „Die Katzen von Ulthar“, Fotograife von Unbekannt, gemeinfrei

Die Katzen von Ulthar – das Werkzeug eines Rächers?

In Ulthar, so verrät es der Erzähler, verbietet ein Gesetz das Töten von Katzen. Die Erklärung dafür findet sich in einer alten Geschichte, die er sogleich wiedergibt. So gab es in Ulthar einst ein altes Ehepaar, dessen Hütte abgelegen unter einigen dunklen Eichen stand. In der Stadt erzählte man sich, dass die beiden sich daran erfreuen würden, jede Katze, die sich auf ihr Grundstück verirrte, zu fangen und zu töten. Doch auch wenn immer wieder Katzen verschwinden, wagt es kein Bewohner von Ulthar, das alte Paar zur Rede zu stellen. 

Eines Tages, so fährt der Erzähler fort, kam fahrendes Volk aus dem Süden in die Stadt. Unbekannt war es in Ulthar und seine Bräuche fremd. An ihren Wägen fanden sich Bilder von menschlichen Gestalten mit Tierköpfen. Unter ihnen befand sich ein Waisenjunge namens Menes, dessen einzige Freude ein kleines schwarzes Kätzchen zu sein schein. Doch am dritten Tag verschwand dieses Kätzchen. Während Menes nach seinem einzigen Freund suchte, erzählten Bewohner von Ulthar ihm von dem seltsamen alten Paar und dessen Katzenhass. Der Waisenjunge entschied sich zur Rache. Uralte Magie und die Katzen von Ulthar wurden seine Werkzeuge. Mehr soll an dieser Stelle nicht erzählt werden, doch es erscheint nachvollziehbar, warum die Bewohner von Ulthar von da an ihren Katzen kein Haar mehr krümmten. 

Ein Hauch des alten Ägyptens 

Überall in Die Katzen von Ulthar wird das Interesse von H. P. Lovecraft am alten Ägypten sichtbar. Meroe ist der Name der Hauptstadt des einst am oberen Nil gelegenen Reiches von Kusch, Ophir der hebräische Name für das südöstlich von Ägypten vermutete Goldland Punt. Die Verbindung zwischen Katze und Sphinx bringt er einleitend ins Spiel, Menes ist schließlich der Name eines der ersten Pharaonen. Auch wenn Ulthar selbst nicht näher beschrieben wird, lässt sich doch vermuten, dass die Inspiration für fahrende Volk dieser Geschichte, mit seiner Liebe zu Katzen und hieroglyphischen Bildern von Menschen mit Tierköpfen, aus dem alten Ägypten stammt. Einige Jahre später wird Lovecraft seine Kenntnisse über diese Epoche in Gefangen bei den Pharaonen ausführlicher demonstrieren. 

Als Bruchstücke irdischer Legenden und wahrer Begebenheiten, passen diese Motive sehr gut in die Geschichte. Denn auch wenn Lovecraft heute vor allem für seine Geschichten voller kosmischen Schreckens bekannt ist, wuchs nebenbei auch eine einzigartige Welt, die er immer weiter ausbaute: die Traumlande, eine endlose Welt, in der Träume, Sagen und Legenden Wirklichkeit werden und längst vergessene Mythen lebendig bleiben. Ulthar ist dort nur ein Ort von vielen. Vermutlich gerade weil Die Katzen von Ulthar eine übersichtliche Handlung besitzt und zwar unheimlich, aber nicht erschreckend ist, wird sie eine von H. P. Lovecrafts bekanntesten Geschichten. Jahre später wird der Autor sie an einem Lagerfeuer in Florida vortragen – und Jahrzehnte später wird sie immer noch für Gänsehaut und Ehrfurcht gegenüber Katzen sorgen. 

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Bildnachweise: 
Beitragsbild: „Katze bei Sonnenuntergang„, Fotografie von dimitrisvetsikas1969, Pixabay / „H. P. Lovecraft“, Fotografie von unbekannt, gemeinfrei 

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