The Haunting of Hill House

The Haunting of Hill House

In der Gruselstube findest du einige verstaubte Aktenordner. Vorsichtig ziehst du sie aus dem untersten Fach eines Regals und klopfst vorsichtig den Staub ab. In ihnen findest du einen alten Bericht, offenbar mehrfach überarbeitet. Eine Geschichte, die oft neu erzählt wurde: The Haunting of Hill House.

Shirley Jackson kommt die Idee zu ihrem nächsten Roman, als sie einen alten Bericht aus dem 19. Jahrhundert liest. Darin berichtet eine Gruppe von Forschern darüber, was sie in einem vermeintlich verfluchten Haus herausgefunden haben. Der wissenschaftliche Ernst, mit dem diese Männer ihre Erlebnisse schildern und auswerten, weckt Shirley Jacksons Interesse. „Was ich in diesen trockenen Berichten entdeckte“, erinnert sie sich später, „war nicht die Geschichte eines heimgesuchten Hauses, sondern die Geschichte mehrerer ernsthafter, wie ich denke: fehlgeleiteter, aber sicherlich engagierter Leute, die ganz verschiedene Motivationen und Vorgeschichten hatten.“

Zu diesem Zeitpunkt, im Jahr 1959, ist Shirley Jackson bereits eine erfolgreiche Autorin. 1948 erschien ihre Kurzgeschichte The Lottery, eine verstörende Erzählung über ein kleines Dorf, dessen Bewohner einmal im Jahr eine Person aus ihrer Mitte steinigen. Dies tun sie in der Annahme, dadurch weitere Straftaten in ihrer Heimat zu verhindern. Ein Motiv, das sich heute noch in erfolgreichen Filmen wie The Purge wiederfinden lässt und bereits damals für Aufsehen sorgt. Auch wenn die Empörung groß ist, wird Shirley Jackson mit The Lottery berühmt. Von da an kann sie von der Schriftstellerei leben.

Horror aus den dunkelsten Ecken des menschlichen Geistes

Shirley Jackson hat eine Vorliebe für abseitige, für die damaligen Verhältnisse gar anstößige Themen. In ihrer ersten veröffentlichten Geschichte Janice behandelt sie den Selbstmordversuch eines jungen Mädchens. Der Roman The Bird’s Nest handelt von einer jungen Frau mit gespaltener Persönlichkeit, die auf Anraten ihres Therapeuten nach und nach die ihre verschieden Persönlichkeiten absorbieren soll. Im Roman The Sundial schließlich, dem direkten Vorgänger von The Haunting of Hill House, geht es um reiche Snobs, die in einem Anwesen das vermeintliche Ende der Welt erwarten und nach einer Geistererscheinung davon überzeugt sind, als einzige die kommende Apokalypse zu überleben.

Unter diesen Vorzeichen verwundert es nicht, dass The Haunting of Hill House (dt. Spuk in Hill House) keine gewöhnliche Geistergeschichte wird. Zwar liest Shirley Jackson zur Einstimmung viele alte Werke dieses Genres, wendet sich in ihrer Geschichte aber eher der Angst vor dem Übernatürlichen zu, anstatt tatsächliche Geistererscheinungen zu beschreiben. Die Handlung führt den Leser nach Hill House, einem Anwesen, das inmitten einer Hügellandschaft liegt. Es gehört dem jungen Erben Luke Sanderson, der es für einen Sommer an Dr. John Montague vermietet. Dieser erforscht übernatürliche Erscheinungen und lädt für eine Studie mehrere Menschen nach Hill House ein, die eine solche bereits erlebt haben. Nur die schüchterne Eleanor Vance, deren Leben sich bisher um die Pflege ihrer Mutter drehte, und die exzentrische Künstlerin Theodora folgen der Einladung. Da sich in Hill House bisher mehrere Selbstmorde, Unfälle und Gewaltverbrechen abgespielt haben, erhofft sich Dr. Montague eine Reaktion, wenn er diese Menschen mit dem Haus zusammenbringt. Luke Sanderson leistet ihnen dabei Gesellschaft.

The Haunting of Hill House – alles nur Einbildung?

Tatsächlich kommt es in den folgenden Tagen immer wieder zu unerklärlichen Phänomenen. In deren Zentrum steht oft die junge Eleanor. Manchmal ist sie gar die einzige, die diese Erscheinungen wahrnehmen kann. So stellt sich bald die Frage: Ist das Haus verflucht oder wird Eleanor wahnsinnig? Bis zuletzt spielt Shirley Jackson mit dieser Frage, lässt den Leser gemeinsam mit den Figuren im Dunkeln tappen. Aus dieser Unsicherheit entsteht schließlich größerer Schrecken, als wenn einfach nur Geister durch die Zeilen huschen.

Es ist also kein Wunder, dass der Stoff auch über das Buch hinaus fasziniert. 1963 kommt mit The Haunting (dt. Bis das Blut gefriert) die erste Verfilmung in die Kinos und ist außerordentlich erfolgreich. 1999 erfolgt, ebenfalls unter dem Namen The Haunting (dt. Das Geisterschloss), eine weitere, deutlich losere, Aufbereitung der Geschichte, die bei den Kritikern und Zuschauern schlechter ankommt. Positiver wird die Version aufgenommen, die im Jahr 2018 unter dem Originaltitel beim Streaming-Dienst Netflix erscheint, obwohl auch sie sich nur lose an die Buchvorlage hält.

Dass The Haunting of Hill House auch heute noch eine faszinierende Geschichte darstellt, ist Shirley Jacksons Idee zu verdanken, neben dem Grusel, den alte Gemäuer verströmen, auch den Schrecken zu thematisieren, der sich in unseren Köpfen abspielt, wenn wir mit zunächst unerklärbaren Erscheinungen konfrontiert werden.

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Bildnachweis:
Beitragsbild: „Landhaus„, Fotografie von fietzfotos, Pixabay

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