E. T. A. Hoffmann – Das Fräulein von Scuderi

E. T. A. Hoffmann – Das Fräulein von Scuderi

Behutsam öffnest du eine kleine Truhe, die in einer Ecke der Gruselstube steht. Gold und Edelsteine liegen darin und funkeln im matten Licht einer Kerze. Was für ein Schatz! Doch was, wenn gerade jetzt ein Räuber auftaucht? Schaudernd denkst du an die Verbrechen, denen Das Fräulein von Scuderi in einer Geschichte von E.T.A. Hoffmann auf den Grund geht.

Paris, 1680. Mitten in der Nacht klopft es laut an der Tür des kleinen Hauses in Paris, in dem Magdaleine von Scuderi lebt. Die 73 Jahre alte Frau ist eine bekannte Dichterin und genießt die Gunst des Königs, lebt dafür aber recht bescheiden. Martiniere, die Dienerin und derzeit einzige Bedienstete im Haus, schreckt durch das Klopfen hoch. Wer könnte so spät noch ihre Herrin sprechen wollen? Baptiste, der Koch und Türwächter, ist verreist. Also liegt es an ihr, die Tür zu öffnen und nachzusehen.

Doch Martiniere zögert. Die Stadt wurde kürzlich erst von grausamen Verbrechen erschüttert. Eine Reihe von Giftmorden hatte viele Toten hinterlassen. Nicht nur die Vergifteten selbst hatten den Tod gefunden, sondern auch zahlreiche Täter oder bloß Verdächtige, die nach kurzen Prozessen wurden.

Dieser Schrecken ist gerade erst überstanden, doch nun sucht eine Serie von Raubmorden Paris heim. Schmuckdiebe lauern in dunklen Gassen und überfallen reiche Bürger. Manche überleben und können von einer vermummten Gestalt berichten, doch die meisten werden direkt erstochen. Die Suche nach den skrupellosen Dieben bleibt erfolglos, scheinen diese sich doch mit geradezu teuflischer Sicherheit in den dunklen Gassen und durch Mauern bewegen zu können.

Schreckliche Verbrechen plagen die Stadt Paris

Kein Wunder also, dass Martiniere die Tür erst nach langer Zeit öffnet. Dort, vor dem Haus, wartet ein Jüngling, gehüllt in einen dunklen Mantel. Er ist aufgebracht und verlangt, sofort das Fräulein von Scuderi zu sprechen. Zwar scheint er kein Räuber zu sein, doch Martiniere bleibt skeptisch. Er fängt an, Martiniere zu bedrohen und zieht ein Stilett. Dadurch gerät die Dienerin endgültig in Panik und fängt an, um Hilfe zu rufen. Der Jüngling sieht ein, dass es keinen Sinn hat. Er drückt Martiniere ein Kästchen in die Hand und bittet sie, es ihrer Herrin so schnell es geht zu überreichen. Viele Leben würden daran hängen. Kaum hat er so gesprochen, verschwindet er wieder in die finstere Nacht.

So beginnt die Geschichte Das Fräulein von Scuderi, die der Schriftsteller E. T. A. Hoffmann im Jahr 1818 verfasst. Hoffmann ist eigentlich Jurist und Kammergerichtsrat in Berlin. Doch sein Interesse gilt ganz der Kunst. Am Theater in Bamberg war er Kapellmeister und einige Jahre Musikdirektor in Dresden und Leipzig gewesen. Schließlich war er doch wieder Justizbeamter in Berlin geworden, genoss aber auch den Ruf eines begabten Schriftstellers. Dies war auch dem Roman Die Elixiere es Teufels zu verdanken, der 1815 unter bescheidenem Erfolg erschienen war.

Für Das Fräulein von Scuderi recherchiert E. T. A. Hoffmann unter anderem im Pivatal, einer Sammlung historischer Strafrechtsfälle. Dort stößt er auf eine Giftmordserie, die Paris im Jahr 1680 erschütterte. Auch wenn seine Geschichte selbst nur wenig mit den Giftmorden zu tun hat, findet er hier jedoch einen Anknüpfungspunkt für seine eigene Erzählung, die heute als eine der ersten deutschen Kriminalgeschichten gilt.

Kann Das Fräulein von Scuderi das Rätsel lösen?

Madeleine von Scuderi hat tatsächlich existiert und lebte von 1607 bis 1701. Im Laufe ihres langen Lebens wurde sie eine erfolgreiche Schriftstellerin und fand auch am königlichen Hof Gehör. Entsprechend baut E. T. A. Hoffmann eine Szene in seine Geschichte ein, in der König Ludwig XIV., der Sonnenkönig, das Fräulein von Scuderi um Rat bittet. Er will ihre Meinung dazu hören, wie er mit den aktuellen Diebstählen und Raubmorden umgehen soll. Da sie noch die schauerlichen Giftmorde und die darauf folgenden Prozesse, bei denen auch Unschuldige zum Tode verurteilt wurden, vor Augen hat, rät die Dichterin dem König, die Ermittlungen nicht zu verschärfen. Zu groß ist ihre Sorge, dass sich eine paranoide Hysterie ausbreitet, wie dies bei eben jenen Giftmorden geschah.

Durch diesen Rat gerät das Fräulein von Scuderi jedoch in den Fokus des mörderischen Schmuckdiebes. Denn das Kästchen, das ihrer Dienerin Martiniere mitten in der Nacht von dem aufgebrachten Jüngling übergeben wurde, hat einen verstörenden Inhalt. Neben einigen kostbaren Beutestücken findet sich darin ein Brief, den offenbar der Räuber selbst verfasst hat. Darin bedankt er sich bei der Scuderi, dass sie dem König von weiteren Ermittlungen abgeraten habe. Von diesem Schreiben herausgefordert, begibt sich die rüstige Dichterin nun selbst auf die Suche nach dem Verbrecher.

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Bildnachweis
Beitragsbild:Schatzkiste„, Fotografie von Steinchen, Pixabay

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