Der Exorzist – Die wahre Geschichte hinter Buch und Film

Der Exorzist – Die wahre Geschichte hinter Buch und Film

Als du nach einem Buch in der Gruselstube greifst, hörst du plötzlich flüsternde Stimmen. Du schauderst, als du den Titel liest. Es ist Der Exorzist von William Peter Blatty. Bist du selbst schon besessen?

Im Jahr 1950 besucht William Peter Blatty die Georgetown University bei Washington. Der in Armut aufgewachsene New Yorker kann sich das Studium dank eines Stipendiums leisten. Die private Universität wird vom katholischen Jesuitenorden geleitet. Zwar ist der Großteil der Studenten selbst nicht katholisch, die Ordensbrüder sind auf dem Campus und in Seminaren aber ein gewohnter Anblick.

William Peter Blatty kommt aus einer gläubigen Familie. Seine Mutter, die Marmeladenmacherin Mary Mouakad, ist libanesische Christin und Nichte eines Bischofs. Dass ihr Sohn es auf die renommierte Universität geschafft hat und nun kurz vor seinem Abschluss in Englisch steht, erfüllt sie mit Stolz. Williams Karriere als Bestseller-Autor ist noch nicht abzusehen, aber die Inspiration für seinen Roman Der Exorzist lässt sich bis in jenes Jahr zurückverfolgen.

Denn der Student und spätere Schriftsteller hört an der Georgetown University erstmals von William S. Bowdern. Bei ihm handelt es sich um einen katholischen Priester und ein angesehenes Mitglied der Jesuiten. Außerdem soll Bowdern, so erzählt man sich unter den Studenten, im Jahr 1949 einen spektakulären Exorzismus durchgeführt haben.

Was geschah im Jahr 1949?

William Peter Blatty merkt sich diese Geschichte. Zum Glück, denn fast zwanzig Jahre später schlägt er sich als Schriftsteller durch und sucht nach einem Thema für seinen neuen Roman. Das, was er an der Georgetown University über Bowdern und den Exorzismus gehört hat, lässt ihn nicht los. Der Dämon soll damals von einem Kind Besitz ergriffen haben. Wäre das nicht ein spannender Stoff für eine Geschichte? Blatty bringt Bowderns Adresse in Erfahrung und schickt dem inzwischen pensionierten Exorzisten einen Brief.

Tatsächlich antwortet Bowdern sogar ziemlich ausführlich. Er bestätigt, dass er im Jahr 1949 einen Exorzismus an einem Jungen durchgeführt habe und enthüllt schaurige Details. Den Namen des Jungen verrät er nicht. Auch in anderen Unterlagen wird er nur „Roland Doe“ oder „Robbie Mannheim“, meistens aber nur „Robbie“ genannt.

Der Exorzismus von Robbie Mannheim

Robbie war damals etwa zehn Jahre alt und besaß eine enge Bindung zu seiner Tante Harriet, die glaubte, mithilfe eines Ouija-Bretts mit Geistern reden zu können. Für Robbie war der Umgang mit diesem Brett allerdings nur ein Spiel, um sich mit seiner Tante die Zeit zu vertreiben. Nach Harriets Tod begannen seltsame Dinge um Robbie herum zu geschehen. Möbel bewegten sich von allein, und Vasen begannen zu schweben, was seine Eltern natürlich stark beunruhigte.

Der lutherische Pastor Schulze wurde zu Rate gezogen. Nachdem er eine Nacht an Robbies Bett verbracht und die Phänomene ebenfalls erlebt hatte, empfahl er den Eltern, einen katholischen Priester zu kontaktieren. Zuerst wurde Edward Hughes kontaktiert, der Robbie in das Universitätsklinikum der Georgetown University bringen ließ, wo sich das Gerücht über den besessenen Jungen schnell unter den Studierenden verbreitete.

Doch Hughes stieß bald an seine Grenzen. Der Exorzismus schien den bösen Geist, der von dem Jungen Besitz ergriffen hatte, nur noch mehr zu reizen. Es bewegten sich nicht länger bloß Gegenstände wie von Geisterhand, sondern Robbie wurde zunehmend aggressiver. Selbst von den Fesseln am Bett konnte er sich losreißen, den Bettpfosten ausreißen und damit Hughes angreifen. Bei dieser Attacke brach der Arm des Priesters, was den Exorzismus beendete.

Der erste Exorzist scheitert

Schließlich nahmen Robbies Eltern den Besessenen mit zu Verwandten nach Saint Louis. Diese hatten Kontakt mit William S. Bowdern hergestellt, dem eingangs erwähnten Exorzisten, der damals in Saint Louis tätig war. Er besuchte Robbie und dessen Eltern bei deren Verwandten. Auch er bestätigte, dass sich Gegenstände in der Nähe des Jungen von allein bewegten. Auch Bowdern wurde Zeuge der aggressiven Natur des Jungen und seiner blasphemischen Äußerungen. Beunruhigt bat er den Erzbischof von Saint Louis schließlich, einen Exorzismus durchführen zu dürfen.

Einige Tage später begann der Exorzismus im Alexian Brothers Hospital im Süden von St. Louis. Da Robbie zunehmend eine Gefahr für sich und andere darstellte, hatte man ihn dort auf der psychiatrischen Station untergebracht. William S. Bowdern und zwei weitere Priester vollzogen in jener Nacht den Exorzismus. Einer der beiden Helfer, Walter Halloran, beschrieb später, wie sich auf dem Körper des Jungen die Wörter „Hölle“ und „Böse“ auf Englisch abzeichneten. Das Bett begann zu wackeln, der Junge schlug um sich und brach Hallorans Nase. Doch der Exorzismus war offenbar erfolgreich. Robbie lebte danach, so Halloran, ein ganz gewöhnliches Leben.

Warum wird „Der Exorzist“ so erfolgreich?

So berichtet es auch William S. Bowdern im Jahr 1970 in seinem Brief an William Peter Blatty. Dieser hat nun endlich den Stoff, den er für sein nächstes Buch braucht. Seine Hauptfigur, der Exorzist Lankester Merrin ist jedoch nicht nur von Bowdern inspiriert. Blatty gestaltet ihn nach dem Vorbild des Archäologen Gerald Lankester Harding, den er 1955 in Beirut kennenlernte. Harding war von 1936 bis 1956 Leiter des jordanischen Ministeriums für Altertümer und ein ausgewiesener Kenner altorientalischer Geschichte. Dank ihm ist der fiktive Exorzist im Buch gleichzeitig als Archäologe im Mittleren Osten tätig und daher mit Dämonen aus antiken Sagen vertraut.

William Peter Blatty gelingt es dadurch, dämonische Figuren und altkirchliche Mystik mit dem zeitgenössischen Jesuitenorden und dem Bericht über den Exorzismus von 1949 zu verbinden. Der Exorzist wird zum Erfolg und bald verfilmt. Blatty selbst schreibt das Drehbuch und beteiligt sich als Produzent am Casting. Max von Sydow spielt schließlich den Exorzisten Lankaster Merrin, Linda Blair die Rolle des besessenen Kindes. Wer ihre Vorbilder kennt und die Geschichte, die Blatty einst inspirierte, mag beim Betrachten des Films umso mehr erschaudern.

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Bildnachweis:
Beitragsbild: „Kreuz“ von geralt, Pixabay

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