Clark Ashton Smith – Die Geschichte des Satampra Zeiros

Clark Ashton Smith – Die Geschichte des Satampra Zeiros

Hitze drückt von außen auf das Dach der Gruselstube. In ihrem Innern schwitzt Du, suchst nach Wasser zur Abkühlung, findest aber nur staubige Bücher. Du atmest tief durch und greifst nach dem erstbesten Band. Mit jedem gelesenen Satz wächst deine Entspannung, während Du immer mehr ins ferne Hyperborea abdriftest, in Die Geschichte des Satampra Zeiros von Clark Ashton Smith.

Im Jahr 1929 beginnt mit erdrückender Wucht eine Wirtschaftskrise, welche schnell die gesamte Welt erfasst und in den folgenden Jahren für Massenarmut und maßloses Leid sorgen wird. Auch an der Westküste Nordamerikas, im sonnigen Kalifornien, sind die Auswirkungen bald zu spüren.

In der Kleinstadt Auburn, unweit von Sacramento gelegen, lebt die Familie Smith in einer unscheinbaren Hütte. Die Smiths sind Hilfsarbeiter und Tagelöhner, hüten in ihrer bescheidenen Behausung aber einen bemerkenswerten Schatz. Clark Ashton Smith, einer der Söhne der Familie, ist ein begabter Poet, der einige Jahre zuvor noch vielversprechende Aussichten auf eine erfolgreiche Karriere vor sich hatte.

Obwohl Clark Ashton Smith nur wenige Jahre Schulbildung genossen hat, verfügt er über eine beeindruckende Menge an Wissen. Der Autodidakt besitzt ein hervorragendes Gedächtnis und kann ganze Lexika wiedergeben. Als Teenager wird er Protegé des Dichters George Sterling und veröffentlicht im Alter von 19 Jahren seinen ersten Gedichtband, der von der Kritik gefeiert wird.

1929 ist das alles fast schon ferne Vergangenheit. Clark Ashton Smith ist kein wohlhabender Dichter geworden. Er ist 36 Jahre alt, wohnt noch immer in Auburn und muss in der wirtschaftlich harten Zeit seine Eltern finanziell unterstützen.1)Brian Stableford: Clark Ashton Smith, in St James Guide to Fantasy Writers, St James Press 1996, S. 529-530 Inzwischen ist er gut bekannt mit anderen Literaten, die ebenfalls nur hinlänglich bekannt sind, wie H. P. Lovecraft, Robert E. Howard und Donald Wandrei – Autoren von, in gehobenen Kreisen nur wenig angesehener, Pulp Fiction.

Clark Ashton Smith – Pulp-Autor aus der Not heraus

Um Geld zu verdienen, beginnt Clark Ashton Smith ebenfalls damit, Pulp-Geschichten zu verfassen. Zwar hat er bereits erste Gehversuche in diesem Genre der Horror- und Fantasy-Geschichten unternommen, doch erst zwischen 1930 und 1938 veröffentlicht er jährlich mehrere Kurzgeschichten im Magazin Weird Tales.

Seine Freundschaft mit H. P. Lovecraft, die sich vor allem in ihrer umfangreichen Korrespondenz widerspiegelt, intensiviert sich in jener Zeit. Smith weiß, dass Lovecraft in diesem Bereich über mehr Erfahrung verfügt. Er lässt seinem Freund Entwürfe zukommen, darunter gegen Ende des Jahres 1929 auch zu The Tale of Satampra Zeiros.2)dt. Die Geschichte des Satampra Zeiros, in Die Stadt der Singenden Flamme, Festa Verlag 2011

In dieser Geschichte entwirft Clark Ashton Smith eine eigene fantastische Welt, eine prähistorische und längst vergessene Zivilisation. So wie Robert E. Howard seinen Barbaren Conan Abenteuer im Hyborischen Zeitalter erleben ist, schickt Smith seinen Protagonisten nach Hyperborea, von dem in alten griechischen Quellen erzählt wird. Obwohl in der Arktis gelegen, ist es übersät mit dampfenden Dschungeln und Heimat einer eisenzeitlichen Hochkultur, die zu Beginn der letzten Eiszeit unterging.

Autor und Protagonist stecken in finanziellen Problemen

Satampra Zeiros, nach dem die Geschichte benannt ist, ist ein Dieb. Gemeinsam mit seinem Gefährten Tirouv Ompallios sieht er sich nach einigen erfolgreichen Einbrüchen einem „Liquiditätsengpass“ gegenüber. Schuld sind zahlreichere Wächter, verbesserte Schlösser und wachsamere Nachbarn. Ganz so, wie Autor Smith selbst, ist Satampra Zeiros also gezwungen, ein Wagnis einzugehen, um seine Finanzen aufzubessern.

Satampra Zeiros und Tirouv Ompallios haben schließlich die Idee, das verlassene Commorium, die alte Hauptstadt Hyperboreas, aufzusuchen und dort nach Schätzen zu suchen. Eine Prophezeiung ließ vor hunderten Jahren alle Bewohner fliegen und die neue Hauptstadt Uzuldaroum gründen. Die beiden Diebe hoffen nun, in der eilig verlassenen Stadt einige vergessene Schätze zu finden.

Wie der Dieb Satampra Zeiros also zum Plünderer wird, beginnt der Poet Clark Ashton Smith noch einmal neu als Pulp-Autor. Dabei hat er allerdings mehr Erfolg als der Protagonist seiner Geschichte. Satampra Zeiros und Tirouv Ompallios erreichen schließlich die Ruinen von Commorium. Dort stoßen sie auf den alten Tempel des Tsathoggua, einer primitiven Gottheit, die in ihren Tagen nicht mehr von Menschen, aber noch immer von den Affen des Waldes verehrt wurde.

In dem düsteren Tempel, unter den stumpfen Augen eines schmucklosen Götzenbildes von Tsathoggua, stoßen die beiden Diebe auf einen uralten Schrecken. Eine amorphe Masse sickert aus einem Becken hinter dem Götzen und beginnt mit der Jagd auf Satampra Zeiros und Tirouv Ompallios. Eine Jagd, die sie nicht unbeschadet überstehen werden.

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Satampra Zeiros‘ Wagnis endet im Schrecken, Clark Ashton Smith hat Erfolg

Clark Ashton Smith hingegen ist ein gewisser Erfolg beschieden. H. P. Lovecraft zeigt sich in einem Brief aus dem Dezember 1929 sehr angetan vom Entwurf seines Freundes. Er bescheinigt Smith die Qualität eines Lord Dunsany, insbesondere in Hinblick auf dessen Kreation eigener fantastischer Welten. Lovecraft ist offenbar so von der Gottheit Tsathoggua angetan, dass er ihren Namen kurze Zeit später, im Februar 1930, in seiner Geschichte The Whisperer in Darkness4)dt. Der Flüsterer im Dunkeln, div. Ausgabenaufgreift.

Smith nimmt daran keinen Anstoß. Ganz im Gegenteil wird das Verwenden von Begriffen, Schauplätzen und Figuren aus den Geschichten der Kollegen zur damaligen Zeit als fruchtbarer Austausch verstanden. Jahre später wird Clark Ashton Smith anmerken, dass die Verwendung der Wesenheiten aus Lovecrafts Cthulhu-Mythos perfekt in seine Geschichten aus Hyperborea passt.5)Schultz, David E.: Notes Toward a History of the Cthulhu Mythos, Necronomicon Press 1996, S. 29

Denn die Geschichte des Satampra Zeiros bleibt nicht die einzige Erzählung aus dieser fiktiven Epoche. Insgesamt verfasst Clark Ashton Smith elf Geschichten, die in Hyperborea spielen. Hinzu kommen zahlreiche andere Kurzgeschichten, die ihn finanziell durch die Weltwirtschaftskrise bringen. Auch der Autor hat sich in fantastischen Weiten auf die Suche nach Gold begeben. Im Gegensatz zu seinen Protagonisten hat er es gefunden.

Lass dir die Geschichte doch einfach vorlesen: 'Die Geschichte des Satampra Zeiros', gelesen von Gregor Schweitzer

Bildnachweis:
Beitragsbild:Dschungelruine“ von igorovsyannykov, Pixabay

Fußnoten   [ + ]

1. Brian Stableford: Clark Ashton Smith, in St James Guide to Fantasy Writers, St James Press 1996, S. 529-530
2. dt. Die Geschichte des Satampra Zeiros, in Die Stadt der Singenden Flamme, Festa Verlag 2011
3. Kaufst Du über einen Affiliate-Link etwas, wird der registrierte Partner am Umsatz beteiligt. Dadurch entstehen dir aber keine Mehrkosten!
4. dt. Der Flüsterer im Dunkeln, div. Ausgaben
5. Schultz, David E.: Notes Toward a History of the Cthulhu Mythos, Necronomicon Press 1996, S. 29

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