Stephen King – Crouch End

Stephen King – Crouch End

Zeit für frische Luft! Du trittst aus der Gruselstube heraus und machst ein paar Schritte durch die Nachbarschaft. Doch schon bald scheinst Du dich verirrt zu haben. Waren es nicht nur ein paar Meter? Keine Menschenseele ist zu sehen, die Du nach dem Weg fragen könntest. Schaudernd denkst du an eine alte Geschichte – an Crouch End von Stephen King.

Es ist ein regnerischer Tag im London des Jahres 1977. Der us-amerikanische Autor Stephen King ist auf der Suche nach einem Taxi. Er will seinen Kollegen Peter Straub besuchen, der sich einige Jahre zuvor in London niedergelassen hat. Beide sind Horror-Autoren, die noch am Beginn ihrer Karriere stehen. Stephen King ist dank Romanen wie The Shining oder seinem Debüt Carrie in aller Munde und möchte gerne mit Peter Straub zusammenarbeiten.

Doch aus Gründen, die sich King nicht erklären kann, findet er einfach kein Taxi, dass ihn zu Peter Straubs Wohnung in Crouch End bringen will. Um genau zu sein findet er zwar Taxifahrer, aber keiner von diesen ist bereit, ihn in das verrufene Viertel im Norden von London zu fahren. Durchnässt vom Regen steht er auf fast menschenleeren Straßen – und merkt sich dieses Erlebnis für eine spätere Geschichte.

1980 erscheint im Verlag Arkham House, der sich der Pflege des literarischen Erbes des Autors H. P. Lovecraft verschrieben hat, der Sammelband New Tales of the Cthulhu-Mythos. Stephen King steuert die Geschichte Crouch End bei, die von seinem oben beschriebenen Erlebnis in London inspiriert ist und vermischt es mit Elementen aus Lovecrafts Geschichten, mit Schrecken, die besser im Verborgenen geblieben wären, mit alten Mächten, die kein Mitleid kennen. Im Kontext des Sammelbandes sind diese Anleihen klar erkennbar, doch auch für sich stehend funktioniert die Geschichte, die 1993 in der Kurzgeschichtensammlung Alpträume erstmals auf Deutsch erscheint.

Was geschieht in Crouch End?

Sie beginnt auf einem Polizeirevier in Crouch End. Die US-Amerikanerin Doris Freeman ist gerade damit fertig, dem jungen Polizisten Robert Farnham eine Aussage zu geben. Sie hat ihren Mann Lonnie Freeman als vermisst gemeldet und dabei eine haarsträubende Geschichte erzählt. Farnham ist dabei, es als das Geschwätz einer hysterischen Frau abzutun, doch sein älterer Kollege Ted Vetter ist da anderer Meinung. Schließlich hat es in Crouch End schon viele merkwürdige Ereignisse gegeben.

Doch was erzählt Doris Freeman da überhaupt? Sie und ihr Ehemann Lonnie machen gemeinsam mit den beiden Kindern Norna und Danny Urlaub in London. Lonnie ist jedoch sehr ehrgeizig und hat deswegen noch einen Geschäftstermin vereinbart. Er will sich mit einem Kollegen von der englischen Niederlassung seiner Firma treffen, der in Crouch End wohnt. Die Freemans lassen die Kinder also bei einer Babysitterin im Hotel und begeben sich zu dem vermeintlich harmlosen Abendessen.

Es dauert eine Stunde, bis sie einen Taxifahrer finden, der sie nach Crouch End fahren will. Was seine Kollegen daran hindert, Fremde in jenen Stadtteil zu fahren? Der Fahrer meint, dass es sich um albernen Aberglauben handle. Crouch End, so erzählt man sich, sei auf einer alten druidischen Ritualstätte erbaut worden.

Plötzlich fällt Lonnie auf, dass er die Adresse seines Kollegen vergessen hat. Er bittet den Taxifahrer, ihn zu einer Telefonzelle in Crouch End zu fahren. Dort will Lonnie seinen Kollegen anrufen und nach der Adresse fragen, obwohl ihm dies peinlich ist. Während er telefoniert, vertritt Doris sich die Beine und entdeckt dabei eine entstellte einäugige Katze, die allerdings plötzlich verschwindet. Ebenso ist auf einmal der Taxifahrer verschwunden, obwohl Lonnie ihn noch nicht einmal bezahlt hat. Doch immerhin hat er jetzt die Adresse und meint, dass es nicht mehr so weit sein könnte. Zu Fuß machen sich die Freemans also auf den Weg.

Von London bis zum Thron des Azathoth

Dies ist nur der Beginn eines bizarren Abenteuers in den verstörend leeren Straßen von Crouch End. Sind die Freemans, ohne es bemerkt zu haben, in eine andere Realität geraten, die wie ein Schleier über der unsrigen liegt? Oder unbemerkt zwischen ihren Fugen steckt? Monströses Stampfen und Schmatzen sind hinter einer Gartenhecke zu hören. Lonnie wird wahnsinnig, als er erblickt, was dahinter liegt und geht irgendwann selbst verloren.

Doris eilt allein durch die Straßen von Crouch End, zunächst ohne einen Ausweg zu finden. Da stößt sie auf zwei Kinder, die sie jedoch nur verspotten. Sie habe „den dunkleren Weg gefunden“, jene „Straße, die in den Trichter führt.“ Dem „Pfeifer von den Sternen“, dem „blinden Flötenspieler“ sei sie nun ganz nahe. Damit erreicht auch die Geschichte ihre Nähe zu H. P. Lovecraft und seinem Mythos. Denn in diesem wabert der Dämonensultan Azathoth im Zentrum des Universums, umgeben von wahnsinnig machenden Flötentönen und auf jene wartend, die durch Zeit und Raum auf verschlungenen Pfaden bis vor seinen Thron gelangen. Ganz gleich, ob freiwillig – oder unfreiwillig.

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Bildnachweis:
Beitragsbild:Portier Altstadt“ von inkflo, Pixabay

Fußnoten   [ + ]

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