August Derleth – Die Abenteuer von Solar Pons

August Derleth – Die Abenteuer von Solar Pons

Ein gemütliches Feuer prasselt im Kamin der Gruselstube. Du greifst nach einem Buch und stellst fest, dass es voller Detektivgeschichten ist. Scharfer Verstand, extravaganter Hut, ein Doktor als Gehilfe – das muss Sherlock Holmes sein, oder? Doch dann blickst du auf den Titel. Wer ist Solar Pons?

Im Jahr 1926 ist August Derleth ein ehrgeiziger junger Schriftsteller aus Wisconsin, der sich auch durch zahlreiche Absagen nicht entmutigen lässt. Vierzig von Derleths Kurzgeschichten hat das Magazin Weird Tales bereits abgelehnt, bevor sie bei Bat’s Belfry schließlich zusagen. Derleth, damals 17 Jahre alt, ist stolz auf diesen Erfolg und macht sich direkt wieder an die Arbeit. Bis zum Ende des Jahrzehnts erscheinen über 20 weitere seiner Gruselgeschichten in Weird Tales.

Doch damit ist August Derleth noch nicht ausgelastet. Nach dem Schulabschluss und neben dem Studium schreibt er, so scheint es, in jeder freien Minute. Er ist auch ein Fan von Detektivgeschichten, insbesondere von Sherlock Holmes. Im Jahr 1927 erscheint dessen letzter Auftritt aus der Feder von Arthur Conan Doyle, dem Schöpfer der Figur. Doyle, damals 68, verkündet, dass er keine weiteren Zeilen zu Sherlock Holmes mehr schreiben würde. Eine Nachricht, die auch August Derleth im fernen Wisconsin erreicht.

Der junge Mann ist enttäuscht, wittert aber auch eine Chance. Derleth schreibt einen Brief an Doyle, in dem er ihn darum bittet, die Figur des Sherlock Holmes übernehmen zu dürfen, um weitere Geschichten um den Meisterdetektiv schreiben zu können. Einige Wochen später erreicht Derleth eine dankende aber auch ablehnende Antwort von Doyle. Sherlock Holmes, so der Wunsch des Autors, soll endlich Ruhe finden.

Die Idee zu Solar Pons wird geboren.

Dennoch hat August Derleth Gefallen an der Idee gefunden, Geschichten über den Meisterdetektiv zu schreiben. Zwar darf er den Namen nicht verwenden, aber warum nicht die Figur an sich? Arthur Conan Doyle mag die Rechte an Sherlock besitzen, aber doch nicht an allen Meisterdetektiven aus London, oder? Die Idee zu Solar Pons ist geboren.

Im Jahr 1928 schreibt August Derleth die erste Solar-Pons-Geschichte. In ihr finden sich nicht nur vage Ähnlichkeiten zwischen Solar Pons und Sherlock Holmes, sondern eindeutige Gemeinsamkeiten. Beide Detektive verfügen über einen messerscharfen analytischen Verstand, beide haben einen Begleiter, der als Erzähler der Geschichten fungiert. Bei Sherlock Holmes ist dies Dr. John Watson, Solar Pons vertraut auf Dr. Lyndon Parker. Holmes und Watson wohnen gemeinsam in der 221B Baker Street, Pons und Parker teilen sich eine Wohnung in der 7B Praed Street und verfügen ebenfalls über eine resolute Vermieterin, die allerdings nicht Mrs. Hudson, sondern Mrs. Johnson heißt. Nicht zuletzt ähneln sich auch die Namen der Titelfiguren im Klang – vor allem dann, wenn man Solar Pons leicht nuschelnd ausspricht.

Immerhin modernisiert August Derleth seine Detektivgeschichten. Lebte Sherlock Holmes noch im viktorianischen London des späten 19. Jahrhunderts, finden die Abenteuer von Solar Pons um 1930 herum statt. Zudem verhält sich Pons etwas weltgewandter und energischer als sein melancholisches Vorbild, das viel Zeit grübelnd in der eigenen Wohnung verbringt.

Solar Pons wird bei Arkham House heimisch.

August Derleth macht sich zunächst jedoch als Autor von Gruselgeschichten einen Namen, die vornehmlich im Magazin Weird Tales erscheinen. Dadurch macht er auch Bekanntschaft mit anderen Autoren wie H. P. Lovecraft und Donald Wandrei, mit denen er sich schließlich anfreundet. Ersteren lässt Derleth sogar in der Solar-Pons-Geschichte The Adventure of the Six Silver Spiders auftreten. Als Lovecraft im Jahr 1937 verstirbt, gründen Derleth und Wandrei den Verlag Arkham House, um das Werk ihres Freundes angemessen zu veröffentlichen.

Dort finden auch die Geschichten von Solar Pons ein Zuhause. Unter der Marke Mycroft and Moran erscheinen die Geschichten des Meisterdetektivs in gesammelter Form. Im Jahr 1945 erscheint der erste Band namens Re(garding): Sherlock Holmes – The Adventures of Solar Pons. Der vorangestellte Titel spielt auf die Betreffzeile an, die August Derleth in seinem Brief an Arthur Conan Doyle verwendet hatte.

Derleth verfasst insgesamt knapp 100 Geschichten rund um Solar Pons und Dr. Parker. In jeder von ihnen lösen sie einen kniffligen Fall und erleben dabei auch manches mysteriöse Abenteuer. Insgesamt erscheinen über Mycroft and Moran neun Sammelbände mit Solar-Pons-Geschichten. Die letzten beiden Bände erscheinen 1973 und 1998, nach August Derleths Tod im Jahr 1971. Der letzte Band The Final Adventures of Solar Pons enthält einige unveröffentlichte Geschichten und ein Vorwort, in dem Derleths Werk noch einmal gewürdigt wird.

Der Meisterdetektiv aus der Praed Street lebt bis heute.

Zu jener Zeit verbindet man bereits einen anderen Autor mit der Figur Solar Pons. Der Engländer Basil Copper führt die Geschichten des Meisterdetektivs ab 1979 weiter und kann seinerseits acht Bände mit spannenden Kriminalfällen füllen, bis er im Jahr 2013 verstirbt. Doch auch mit ihm enden die Abenteuer von Solar Pons nicht.

Der Autor David Marcum veröffentlicht bereits seit einigen Jahren Fan-Geschichten zu Sherlock Holmes. Dabei handelt es sich um Geschichten, die nicht von Arthur Conan Doyle stammen. Genau wie August Derleth selbst Geschichten über Sherlock Holmes schreiben wollte, haben sich inzwischen zahlreiche Autoren die Figur bereits zu eigen gemacht. Marcum sammelt und editiert die Beiträge. Die von ihm herausgegebene Reihe umfasst inzwischen mehr als 20 Bände, in denen neue Geschichten über Sherlock Holmes zu finden sind.

Dabei stößt David Marcum auch auf Solar Pons und findet Gefallen an der Figur. 2017 veröffentlicht er eine eigene Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel The Papers of Solar Pons. 2019 folgt eine Anthologie, an der sich mehrere Autoren und Autorinnen beteiligen, die auch in Marcums Sherlock-Holmes-Reihe zu lesen sind. The New Adventures of Solar Pons enthält 20 neue Geschichten zum Meisterdetektiv aus der Praed Street, der, wie sein Vorbild Sherlock Holmes, einfach nicht mit dem Ermitteln aufhören kann.

Neugierig auf die Abenteuer des Detektivs geworden? Du findest sie bei Amazon! 1)Affiliate-Link. Kaufst Du über einen Affiliate-Link etwas, wird der registrierte Partner am Umsatz beteiligt. Dadurch entstehen dir aber keine Mehrkosten!

Bildnachweis:
Beitragsbild:Lupe“ von Angelo Giordano, Pixabay

Fußnoten   [ + ]

1. Affiliate-Link. Kaufst Du über einen Affiliate-Link etwas, wird der registrierte Partner am Umsatz beteiligt. Dadurch entstehen dir aber keine Mehrkosten!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.