Frank Belknap Long – Die Hunde des Tindalos

Frank Belknap Long – Die Hunde des Tindalos

Sie lauern in jedem Winkel. Ja, selbst in der Gruselstube können sie dich holen kommen. Jederzeit können sie hervorbrechen und deine Existenz beenden. Sie sind Die Hunde des Tindalos aus der gleichnamigen Geschichte von Frank Belknap Long.

Zeitreisen sind ein Thema, das sehr häufig in Science-Fiction-Geschichten behandelt wird. Fast immer kommt es während den Reisen durch Zeit und Raum zu Komplikationen, welche von den Protagonisten gelöst werden müssen. In Die Hunde des Tindalos setzt Frank Belknap Long das Problem jedoch ganz an den Anfang. Die Zeitreise an sich ist dabei bereits ein herausfordernder und widernatürlicher Akt.

Der Okkultist Halpin Chalmers hat eine alte chinesische Droge wiederentdeckt. Er ist der festen Überzeugung, damit das Bewusstsein zu erweitern, den Schlitz, durch den wir auf die Zeit blicken, vergrößern zu können. Zeit und Raum seien Illusionen, die uns den Blick auf die Bestie dahinter versperren, das Tao. In ihm seien Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vereint.

„Menschliche Wesen sind bloß unendlich kleine Bruchstücke des großen Ganzen“, sagt Chalmers. „Jeder Mensch ist mit all dem Leben verbunden, das ihm vorausgegangen ist. All seine Ahnen sind Teile von hm. Nur die Zeit trennt ihn von seinen Vorfahren – und Zeit ist eine Illusion und existiert nicht.“

Ein verhängnisvoller Versuch weckt Die Hunde des Tindalos

Chalmers wagt schließlich das Experiment. Seinen Bekannten, den anonymen Erzähler, lässt er Aufzeichnungen machen, während er die Droge nimmt und tatsächlich einen umfassenden Blick auf die Zeit gewinnt. „Ich nehme alles gleichzeitig wahr“, raunt er, während er Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Menschheit durchschreitet.

Doch dann werden sie auf Chalmers aufmerksam. „Ich denke, dass sie mich gewittert“ haben, krächzt er. Hinter den Winkeln, welche das Tao umgeben erblickt er unbeschreibliche Wesen, die seine Anwesenheit nicht dulden. Sie jagen den Okkultisten und hetzen ihn, bis er wieder vor den Schleier tritt, bis sich der Schlitz wieder schließt.

Zitternd berichtet Chalmers seinem Bekannten, was passiert ist, findet aber keine Worte, um diese Wesen zu beschreiben. Doch die alten Griechen hatten einen Namen für sie: Die Hunde des TIndalos. Chalmers weiß, dass sie seine Fährte aufgenommen haben und nicht eher ruhen werden, bis sie ihn für seinen Frevel bestraft haben.

Zwischen Horror und Science-Fiction

Die Hunde des Tindalos erscheint erstmals im Jahr 1929 in der März-Ausgabe von Weird Tales, dem Pulp-Magazin, in dem auch die Geschichten von H. P. Lovecraft und Robert E. Howard erscheinen, mit denen der Autor den Grundstein für den späteren Cthulhu-Mythos legt. Jene Sammlung von Geschichten, deren Gemeinsamkeit das Erscheinen kosmischer Wesenheiten ist, die niemals vollständig vom menschlichen Verstand erfasst werden können.

Ohne es damals zu ahnen, schreibt Frank Belknap Long mit Die Hunde des Tindalos die erste Mythos-Geschichte, die nicht von Lovecraft selbst stammt. Erst Jahre später, nach Lovecrafts Tod, bemüht sich der Autor und Verleger August Derleth, eine Art Kanon zu schaffen, zu dem auch ein Repertoire an Wesenheiten gehört, die von anderen Autoren verwendet werden können.

Die Hunde des Tindalos erfreuen sich dabei einiger Beliebtheit und tauchen in vielen Geschichten verschiedener Autoren wie Brian Lumley und Ramsey Campbell auf. Lovecraft selbst erwähnt sie bereits 1937 in seiner Geschichte Der Flüsterer im Dunkeln.

Aus heutiger Sicht ist Die Hunde des Tindalos eher Horror als Science-Fiction. Die Zeitreise ist weniger ein buntes Abenteuer, sondern mehr ein unfassbarer Schrecken. Die Herausforderung, der Grenzgang, die unbekümmerte, aber doch verhängnisvolle Frage danach, was Zeit ist, bleiben jedoch ein gemeinsames, ein verbindendes Element.

Bildnachweis:
Beitragsbild gestaltet mit canva.com 

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