H. P. Lovecraft – Cthulhus Ruf

H. P. Lovecraft – Cthulhus Ruf

Widerstrebend greifst du nach einem Buch, das in einer verstaubten Ecke der Gruselstube auf dem Boden liegt. Im spärlichen Mondlicht, das durch ein verschmiertes Fenster dringt, liest du Zeilen, die besser ungelesen geblieben wären. Du liest von einem uralten Kult und von einer monströsen Gottheit. Du liest Cthulhus Ruf von H. P. Lovecraft.

Professor George Gammell Angell aus Providence ist tot. Die Umstände seines Todes erscheinen seinem Großneffen und Nachlassverwalter, Francis Wayland Thurston, zunächst nicht sonderbar. Sein Großonkel war im Winter 1925/26 im Alter von 92 Jahren verstorben, nach der Rückkehr von einer anstrengenden Reise. Erst die Lektüre der Unterlagen des Professors lässt Thurston skeptisch werden.

Den Schriften liegt ein Relief aus Lehm bei, das eine Kreatur zeigt, die teils Oktopus und teils Drache, aber auch teils menschlich zu sein scheint, versehen mit einem Tentakelkopf und rudimentären Schwingen. Thurston findet heraus, dass das Relief das Werk eines lokalen Kunststudenten namens Wilcox ist. Düstere Träume hätten ihn zu diesem Werk inspiriert, das er schließlich Professor Angell zeigte.

Wie Thurston den Aufzeichnungen entnimmt, scheint seinem Großonkel die dargestellte Kreatur nicht unbekannt gewesen zu sein. Im Jahr 1908 habe er in Louisiana bereits eine Skulptur gesehen, die exakt das gleiche Wesen darzustellen schien. Interessiert studiert Thurston die Berichte Professors Angells. Weltweit scheinen sich Verehrer dieser Wesenheit zu verbergen. Und wie Wilcox werden auch andere Menschen von beängstigenden Träumen geplagt. War Thurstons Großonkel einem weit verzweigten und uralten Kult auf der Spur? Musste er deswegen sterben?

Cthulhus Ruf weckt die Kreativität von H. P. Lovecraft

Als H. P. Lovecraft Cthulhus Ruf im Sommer des Jahres 1926 schreibt, ist er gerade aus New York zurück in seine Heimat Providence gezogen. Der Umzug wird von Enttäuschung, aber auch Erleichterung begleitet. Die Metropole hat ihre Spuren an dem Autoren hinterlassen. Das multikulturelle Umfeld hat Lovecraft seine Fremdenfeindlichkeit und generelle Menschenscheu nicht genommen, sondern verstärkt. Die negativen Erfahrungen inspirieren den Schriftsteller aber auch zu einigen seiner schaurigsten Geschichten.

Zurück in Providence beginnt Lovecraft direkt wieder mit dem Schreiben. Es folgen produktive Jahre, in denen er die meisten seiner heute als Klassiker geltenden Werke verfasst. Cthulhus Ruf ist die erste dieser Geschichten, in denen Lovecraft seinen inzwischen ausdefinierten Stil gekonnt anwendet. Die existenzielle Angst, die angesichts der übermächtigen kosmischen Schrecken entsteht und mit dem Bewusstsein der eigenen Bedeutungslosigkeit einhergeht, findet sich in beunruhigenden Zeilen wieder.

Die Anfänge des Cthulhu-Mythos

Ohne es zu ahnen, gibt Lovecraft mit Cthulhus Ruf jenem Werke-Kanon seinen Namen, der später als Cthulhu-Mythos bekannt wird. Sein Nachlassverwalter August Derleth bemüht sich nach Lovecrafts Tod darum, die Geschichten des Verstorbenen weiterzuentwickeln. Bereits zu Lovecrafts Lebzeiten war es üblich gewesen, dass er und seine Schriftstellerkollegen wie Conan-Schöpfer Robert E. Howard und Clark Ashton Smith untereinander Motive und Begriffe aus den Geschichten der anderen aufgriffen.

August Derleth möchte jedoch, wahrscheinlich auch aus Vermarktungsgründen, einen Anknüpfungspunkt für nachfolgender Generationen schaffen. Ältere Lovecraft-Erzählungen wie Dagon, aber auch Geschichten wie Die Hunde des Tindalos von Frank Belknap Long, die vor Cthulhus Ruf entstanden, fügt er dem Cthulhu-Mythos hinzu.

Zentraler Bezugspunkt wird jene unsterbliche Wesenheit, die Francis Wayland Thurston in Cthulhus Ruf auf dem Relief im Nachlass seines Großonkels erblickt: Der tentakelhäuptige Cthulhu, dessen Kult die Welt umspannt und darauf wartet, dass der Große Alte einst aus seinem Palast in R’lyeh auf dem Grund des Pazifiks erwachen wird. 

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Bildnachweis:
Beitragsbild gestaltet mit canva.com 

Fußnoten   [ + ]

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