Ambrose Bierce – Das Geheimnis von Macargers Schlucht

Ambrose Bierce – Das Geheimnis von Macargers Schlucht

Dunkel ist es draußen geworden. Wagst du es, die Nacht in der Gruselstube zu verbringen? Du weißt nicht, welche Geister an diesen Ort gebunden sind. Vielleicht hilft dir ja eine Geschichte beim Einschlafen? Bevor du dich auf einem knarzenden Sofa niederlässt, greifst du dir Das Geheimnis von Macargers Schlucht von Ambrose Bierce.

Einsam wandert der namenlose Erzähler im Jahr 1871 durch eine abgelegene Landschaft in Kalifornien, bis er eine tiefe Senke erreicht. Ist es vielleicht ein ausgetrocknetes Flussbett? Er weiß, dass dieser Ort Macargers Schlucht genannt wird – doch warum eigentlich?

Da es dunkel wird, sucht der Wanderer nach einem Unterschlupf. Tatsächlich findet er eine alte Hütte, die ihm geeignet scheint, um dort die Nacht zu verbringen, auch wenn sie schon ziemlich morsch ist. Doch ist es dort auch wirklich sicher? Was, wenn sich ein Bär in diese Gegend verirrt hat? Die Tür ist nicht mehr zu schließen, ebenso wie die Fensterläden.

Nervös entzündet der Erzähler ein Feuer im alten Kamin und lässt sich an einer flachen Stelle auf dem Holzboden nieder. Trotz aller Bedenken versinkt er schließlich in einen unruhigen Schlaf. Bald träumt er von einer großen Stadt, die ihm unbekannt ist. Die Menschen dort reden zwar Englisch, aber in einem ungewöhnlichen Akzent. Instinktiv lenkt er seine Traumschritte zu einem Ehepaar, einer schönen Frau und einem missmutig dreinblickenden Mann mit  einer markanten Narbe im Gesicht. Irgendwoher scheint er diese Leute zu kennen, doch bevor er sich erinnern kann, erwacht er plötzlich.

Was ist Das Geheimnis von Macargers Schlucht?

Beunruhigt setzt sich der Wanderer auf und blickt in die glimmende Asche des Feuers. Die Stadt, so wird ihm plötzlich bewusst, war das schottische Edinburgh. Dort war er nie in seinem Leben gewesen. Doch auch der Name des Paares wird ihm bewusst. Es sind die McGregors, natürlich. Aber woher weiß er das?

Plötzlich, als sein Feuer erlischt, bricht in der Dunkelheit ein unerklärlicher Spuk über den Erzähler herein. Er hört ein Schaben und Poltern, Schläge und Schritte, schließlich den schrillen Schrei einer Frau. Entsetzt greift er nach seiner Flinte und starrt in die Dunkelheit, nach einem kaum wahrnehmbaren ängstlichen Stöhnen lauschend. Doch so plötzlich der Schrecken gekommen war, so abrupt endet er schließlich. Den Rest der Nacht verbringt der Wanderer schweigend und nachdenkend in der alten Hütte. 

Einige Jahre später begegnet er zufällig einem Mann namen Morgan, der auch Macargers Schlucht kennt. Freimütig berichtet der Mann, dass er im vergangenen Jahr über einen dortigen Leichenfund berichtet habe. Schauer überläuft den Erzähler, als er erfährt, über wessen Knochen er einst eine Nacht verbracht hatte. Und alles fügt sich nun zusammen. 

Geschichten eines einsamen Landes

Ambrose Bierce veröffentlicht Das Geheimnis von Macargers Schlucht im Jahr 1891. Zu dieser Zeit schreibt der Journalist mit erstaunlicher Produktivität dutzende Kurzgeschichten, von denen viele einen schaurigen Inhalt haben. Autoren wie Robert W. Chambers und H. P. Lovecraft bezeichnen Ambrose Pierce später als einen ihrer wichtigsten Einflüsse und einen Schriftsteller, der das Horror-Genre maßgeblich geprägt hat.

Ambrose Bierce
Ambrose Bierce / Gemälde von John Herbert Evelyn Partington, gemeinfrei

Der Bürgerkriegsveteran ist eigentlich Journalist und verfasst viele Reiseberichte, aber auch Geschichten, die auf seinen Kriegserfahrungen basieren. Um 1890 widmet er sich jedoch dem Horror-Genre und baut in seine Kurzgeschichten viele seiner Erlebnisse ein, die er auf seinen Wanderungen durch die USA und während des Krieges gesammelt hat. Darunter finden sich auch viele lokale Sagen und Spukgeschichten, wie Wanderer sie sich am Lagerfeuer erzählen. 

Das Geheimnis von Macargers Schlucht ist eine solche Geschichte. Sie könnte auch der gruselige Schwank eines Reisenden sein, den man zufällig trifft. Doch Ambrose Bierce bringt sie meisterlich und mit einer beunruhigenden Prägnanz aufs Papier. Jahre später, als alter Mann, bricht er selbst so einer letzten großen Reise auf. Im Jahr 1914 wandert er nach Süden und schließt sich dort, so will es die Legende, der Armee von Pancho Villa im mexikanischen Bürgerkrieg an. Sein Schicksal bleibt bis heute ungeklärt – und bildet wiederum den Stoff für unheimliche Geschichten über den rastlosen Schriftsteller, der immer noch durch das Land wandert.

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Oder hör sie dir auf YouTube an: 'Das Geheimnis von Macargers Schlucht', gelesen von Gregor Schweitzer

Beitragsbild gestaltet mit canva.com 

Fußnoten   [ + ]

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