19. Mai 2022
Boris Karloff Frankenstein

Boris Karloff ist Frankensteins Monster

In einem schattigen Winkel der Gruselstube kannst Du plötzlich die Umrisse eines großen, dumpf dreinschauenden Menschen erkennen. Sein kantiger Schädel wirkt fremd, kommt dir aber auch merkwürdig vertraut vor. Zu deiner Erleichterung erkennst Du, dass es nur ein Plakat ist. Es wirbt für einen Film namens Frankenstein, in dem Boris Karloff das Monster spielt.

Das Jahr 1931 begann für die Universal Studios in Hollywood ernüchternd. Hatte das Filmunternehmen von Carl Laemmle in den Jahren zuvor noch große Erfolge gefeiert, brach damals der Umsatz ein und neue Ideen mussten her. Chef-Produzent Carl Laemmle Jr., der Sohn des Studiobosses, musste handeln.

Der 22-jährige landet schließlich mit der Verfilmung von „Dracula“ einen Überraschungserfolg. Sofort wird ihm klar, dass das Studio weitere Horror-Filme produzieren sollte.

Die Wahl fällt auf einen weiteren Klassiker der Horror-Literatur: Frankenstein. Der bekannte Name soll das Publikum ins Kino locken. Die Handlung wird jedoch neu arrangiert, sodass nur die Grundidee von Mary Shelleys Roman übrigbleibt.

Worum geht es in Frankenstein?

Der Wissenschaftler Frankenstein ist besessen von der Idee, mithilfe von Elektrizität totes Gewebe wieder zum Leben zu erwecken. Anders als im Buch heißt er Henry, nicht Viktor. In der deutschsprachigen Version lautet sein Vorname Herbert.

Gemeinsam mit seinem buckligen Gehilfen Fritz plündert Frankenstein die Friedhöfe der Umgebung. Er schändet die Gräber und nimmt sich jene Körperteile, die ihm geeignet erscheinen. Getrieben von der Hoffnung auf ewiges Leben flüstert er den Toten in ihren Särgen zu: „Ihr schlaft nur und wartet auf einen neuen Anfang.“ 

Zur Vollendung seines Experiments benötigt Frankenstein ein intaktes Gehirn. Fritz soll es aus dem Labor von Frankensteins Lehrer Dr. Waldmann stehlen. Doch Fritz lässt das Glas mitsamt dem Gehirn fallen. Stattdessen greift er zu einem anderen Gehirn, das in Waldmanns Regal steht. Dieses ist jedoch das Gehirn eines Verbrechers.

Frankenstein jubelt: "Es lebt!"
Frankenstein jubelt: „Es lebt!“ / © Universal Pictures

Die Kreatur, die Frankenstein schließlich durch Blitze erweckt, ist tumb und reagiert auf die ihm unverständliche Welt mit Gewalt. Sicher mag dies auch an Fritz liegen. Der Gehilfe von Frankenstein drangsaliert das schaurig anzusehende Wesen ständig mit Feuer. Irgendwann übertreibt er es und wird das erste Opfer von Frankensteins Monster, das flieht und eine Spur von Leichen hinterlässt.

Als Frankensteins Monster gelingt Boris Karloff der Durchbruch

Der Mann unter der Maske ist Boris Karloff. Wenn es nach Laemmle Jr. gegangen wäre, hätte Dracula-Star Bela Lugosi die Rolle übernehmen sollen. Dieser hatte zwar zuerst zugesagt, war aber davon ausgegangen, dass er Frankenstein selbst spielen würde. Als er hörte, dass er das Monster mimen soll, sagte Lugosi düpiert ab.

Wie sich später herausstellt, ist die Verpflichtung von Boris Karloff jedoch ein Gewinn für den gesamten Film. Ohnehin schon ein Hüne, wirkt er durch Schulterpolster und 10 cm hohe Sohlen noch beeindruckender. Um die dicken Sohlen zu kaschieren, wurden die Schuhe extra breit gestaltet, wodurch sie jeweils 5 kg wogen.

Es war jedoch nicht seine Statur, durch die Carl Laemmle Jr. und Regisseur James Whale auf Boris Karloff aufmerksam wurden. Nein, es waren die traurigen Augen des Briten, die ihm die Rolle des tragischen Monsters einbringen. Das markante Make-Up, die hohe Stirn, Bolzen im Nacken und der kantige Kopf werden zu heute noch bekannten Merkmalen der Kreatur. 

Für den Film entstand der heute ikonische Look des Monsters
Für den Film entstand der heute ikonische Look des Monsters / © Universal Pictures

Im Buch lernt das Monster zu sprechen und seinen Wunsch nach einem normalen Leben auszudrücken. In der Verfilmung kann man in ihr ebenfalls dieses Verlangen erkennen, sieht sie aber immer wieder dabei scheitern.

Ein kleines Mädchen, das Frankensteins Monster an einem See trifft, lädt es zum Spielen ein. Gemeinsam werfen sie Blüten aufs Wasser und sehen dabei zu, wie diese davontreiben. Das Monster, im völligen Unverständnis der Situation, packt plötzlich das Mädchen und wirft es in den See, wo es ertrinkt, anstatt zu treiben. Traurig, verwirrt und zornig flieht das Monster daraufhin wieder.

Frankenstein – ein umstrittener Film 

Diese drastische Szene wurde damals von mehreren Kontrollbehörden beanstandet und musste aus dem Film geschnitten werden. Insgesamt war Frankenstein umstritten. Genau wie das Buch, mehr als 100 Jahre zuvor, sorgte der Film für Kontroversen. Sein Inhalt aus Leichenraub und Re-Animation war für das Jahre 1931 noch zu blasphemisch.

Kein Wunder also, dass es besonders ein Satz ist, der aus der Kinofassung verschwinden musste. Als sich seine Kreatur erstmals bewegt, sagt Frankenstein „Jetzt weiß, wie es sich anfühlt, Gott zu sein!“

Dem Erfolg des Films schadet dieser Gegenwind nicht. Ganz im Gegenteil wird er neben „Dracula“ zu einem der erfolgreichsten Universal-Filme des Jahres. Das Aussehen von Frankensteins Monster aus dieser Verfilmung wird weltweit bekannt und schnell exklusiv mit der Figur in Verbindung gebracht.

In weiser Voraussicht lässt sich Universal die Rechte am Make-Up-Design sichern. Wollen andere Firmen einen „Frankenstein“-Film machen, muss das Monster also anders aussehen.

Frankensteins Monster verbrennt am Ende des Films in einer Mühle, die von den wütenden Bewohnern des nahen Dorfes angezündet wird. Nicht Elektrizität ist es, die das Monster nach dem Abspann wiedererweckt, sondern der Erfolg des Filmes. Für Frankensteins Braut und Frankensteins Sohn kehrte Boris Karloff für Universal zweimal zurück in die Rolle des Monsters. Zahlreiche weitere Horror-Filme erschienen in den nächsten Jahren bei Universal, von denen die meisten große Erfolge werden. Auf Grusel zu setzen, zahlte Carl Laemmle Jr. also aus. 

Frankenstein - Den Klassiker gibt es heute ungeschnitten auf DVD und BluRay
Frankenstein – Den Klassiker gibt es heute ungeschnitten auf DVD und BluRay / © Universal Pictures

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Bildnachweise
Beitragsbild und weitere Bilder ©Universal Pictures. Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Universal Pictures Germany GmbH.

Fußnoten

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